KING GIZZARD & THE LIZARD WIZARD @ x-tra, Zürich

16. Oktober 2019

King Gizzard gehören spätestens seit ihrer Fünf-Alben-Serie vom vorletzten Jahr zu den interessantesten (sagen wir mal) Rockbands Australiens und des ganzen Globus, weil sie einerseits forschend mit jedem Album einen neuen Stil erkunden und anderseits dies sehr eigenständig und spannend tun, und das auch noch im Septett mit zwei Schlagzeugern, drei Gitarristen und multiinstrumental. Umso erfreulicher also der Umstand, dass das x-tra rappelvoll ist, erstaunlich dabei aber, dass das Publikum grossmehrheitlich recht jung ist: Wo sind all die alten Musikfüchse an diesem Abend geblieben?

Die beiden Vorbands, Stonefield und Orb, beide ebenfalls Aussies, schenken wir uns zugunsten eines leckeren Pat Thais an der Langstrasse. Eine kleine Umfrage im Publikum ergibt später, dass die Bands nur so la la begeisterten. Und dann Auftritt der Gizzard-Kings, sieben an der Zahl, und schon mit dem ersten Ton gehen sowohl Publikum als auch Band voll ab. Schliesslich ist das aktuelle Album «Infest The Rat’s Nest» eine einzige Ode an den Heavy Metal. Aber nach Heavy Metal klingt die Band nie, auch wenn sie mit einer wunderbaren Leichtigkeit mächtig Druck macht. Der Kern dieser Band ist einerseits ihr Gwunder und ihre musikalische Versiertheit, anderseits und noch viel mehr dieses geschmeidige Vorwärtsstreben in allen ihren Songs. Live natürlich noch viel mehr als auf Platte, zusätzlich aufgepumpt mit Tempo, Kraft und Volumen, es ist wunderbar, das Vorwärtsstreben wird ein Vorwärtsgaloppieren. Das bleibt auch so, als sie Songs von anderen Alben spielen, die weniger impulsiv sind als «Infest The Rat’s Nest», was angesichts der musikalischen Diversivität ihrer Alben insgesamt ein erfreulich homogenes Gesamtbild ergibt.

Erstaunlich sind auch die Musiker selbst: Die sehen aus wie Mittelschule-Buben mit dreissigjährigen Gesichtern, sie legen weder auf Kleidung noch auf Aussehen wert, Sänger Stu Mackenzie ist die Spargeltarzanversion von Robert Plant und der einzige, der immer in Bewegung bleibt, während die anderen sich kaum bewegen und beim Spielen stoisch vor sich hingucken – insbesondere Schlagzeuger Eric Moore: Zwischen den Songs schaut er ins Leere, als würde er darüber nachdenken, wie das schon wieder war mit den exogenen Planeten und wie man Lichtjahre in Kilometer umrechnet. Aber kaum beginnt ein neuer Song, spielt er wieder mit Co-Drummer Michael Canavagh durchgehend synchron – nicht kompliziert, aber treibend. Überhaupt stehen King Gizzard auf Unisono, im Gitarrenspiel genauso wie im Gesang. Hier zeigt sich auch, wie exzellent diese Band organisiert ist, wenn sie über zehn Minuten nichts anderes macht, als vorwärtszupreschen und dabei immer wieder Hooks variiert. Die 90 Minuten vergehen im Flug, zwischendurch gibt’s drei langsamere Songs, dann «Rattlesnake» und «Doom City» und danke und tschüss, Zugabe gibt’s keine. Das war ein tolles Konzert.

Text: Christian Hug

Photos: Aline Hug

Christian
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Seit den Sex Pistols «into music», seit 2001 freier Journalist und Buchautor. Jahrelange Mitarbeit im «Music Scene», «Toaster», TagesAnzeiger - Ernst», «Style» und andere. Kein MP3-Freund.

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