Hugs Wegweiser durch die Populär-Galaxie: #27 – Kid Rock for fuck

Kid Rock
for fuck

So. Nun hat Kid Rock also angekündigt, dass er Senator für den Staat Michigan werden will. Und später auch grad Präsident der US of A. Weil er jetzt… irgendwie… nicht mehr Musik, sondern… irgendwie… Politik machen will. Als Zeichen seiner ernst gemeinten Absicht hat er schon mal eine Stiftung gegründet, deren Namen er zwar nicht preisgibt, die seinen Fans aber erklären soll, wie man einen Senator wählt, wenns dann nächstes Jahr soweit ist, weil seine arme White-Trash-Gefolgschaft in der Regel ja nicht mal weiss, wie man einen Bleistift überhaupt in den Händen hält. Kid Rocks politisches Programm besteht bis jetzt in der Ankündigung, dass er auch als Senator Kid-Rock-Mützen verkaufen will. Mit der Aufschrift «In Rock we trust».
Nun denn. Rock for US Senate wäre eine wunderbare Gelegenheit für ein heiteres Kid-Rock-Bashing. Aber unter uns gesagt: Das ist mir jetzt zu simpel. Ich meine: Einen Typen, der zum Spass Schweine erschiesst, der sich mit Tommy Lee um Pamela Anderson prügelt und unter Outlaw versteht, besoffen in der Gegend rumzunölen, einen solchen Typen kann man beim besten Willen nicht ernst nehmen. Zumal man ihn auch als Musiker mit seinem unsäglich dumpfbackigen Stiefelrock-Geschrammel nie nur auch ein Mü ernst nehmen konnte.
Dass sich ein Kid Rock jetzt befähigt fühlt, Amerikas Staatsgeschicke zu leiten, zeigt eigentlich nur, dass niemand mehr das Amt des Präsidenten der (bald nicht mehr) mächtigsten Nation der Erde ernst nimmt, seit Donald Trump das Land ungespitzt in den Boden rammt. Sogar Kanye West hat angekündigt, dass er Präsident werden will, ebenso wie Dwayne «The Rock» Johnson… Das erübrigt wohl jeden Kommentar. (Immerhin: Dwayne und Kid könnten im Copräsidium das Amt übernehmen unter dem Fasnachtsmotto «US on the Rocks», ha ha.)
Leider halte ich es nicht für ausgeschlossen, dass Kid Rock die Wahl zum Senator gewinnen wird. Weil die Amis haben ja schon Donald Trump gewählt, und der ist ja auch nichts anderes als der reichste aller White-Trasher. Schliesslich kriegt jedes Volk die Regierung, die es verdient.
Und es nützt jetzt auch nichts, wenn wir jammern und uns wünschen, dass als Alternative doch der Greg Graffin von Bad Religion kandidieren könnte, das ist wenigstens ein politisch hervorragend informierter und engagierter Musiker und ein promovierter Evolutionsbiologe noch dazu.
Wir können uns auch nicht der Hoffnung hingeben, dass Kid Rock, wenn er denn erstmal im Amt ist, sich vielleicht zu einem ordentlichen Politiker mausert, so wie das Peter Garrett von Midnight Oil getan hat, der von 2004 bis 2013 Umwelt- und Kulturminister der australischen Regierung war und dort einen ganz ordentlichen Job gemacht hat. Denn Garrett war immer schon politisch engagiert, während Kid Rock immer nur ein Schreihals war, der nichts anderes konnte als zu schreihalsen.
Aber hey: Das betrifft uns in der Schweiz sowieso so gut wie überhaupt nicht, warum sollen wir uns also Sorgen machen… Freuen wir uns notabene, dass unser lieber Chris «The Kopftuch» von Rohr noch nie auf die Idee gekommen ist, in die Politik einzusteigen. Seine Kolumnen in der «Schweizer Illustrierten» sind uns schon so mehr als genug.
Trotzdem stehen wir in Glaube, Liebe und Hoffnung dem amerikanischen Volk bei und schliessen uns Steve Earle an, einem gescheiten, schlauen, engagierten (Anti-)Country-Musiker. Er sagte nämlich auf Kid Rocks Ankündigung: «Jesus Christ, the only way we could do worse than Donald Trump is Kid Rock. What the fuck?!» Stimmt. Earle hingegen könnten wir uns sehr gut als Politiker vorstellen.
Im Übrigen bin ich der Ansicht, dass Bono Vox verboten werden sollte.

Tracks 5 17 (September/Oktober)  

Christian
About Christian Hug 143 Articles
Seit den Sex Pistols «into music», seit 2001 freier Journalist und Buchautor. Jahrelange Mitarbeit im «Music Scene», «Toaster», TagesAnzeiger - Ernst», «Style» und andere. Kein MP3-Freund.

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