Hugs Wegweiser durch die Populär-Galaxie: #13 – Tief gefallen

Tief
gefallen

Wenn sogar bei der grossen Madonna vor dem Release ihres neuen Albums unfertige Songs ins Netz geleakt werden, dann ist das sehr bedenklich, weil man doch annehmen könnte, dass bei einer Gigantin wie ihr das Sicherheitsnetz entsprechend gross ist. Aber das nur nebenbei. Viel wesentlicher scheint mir die Tatsache, dass Madonna grandios reagierte und trotz ihrer Grösse innerhalb einer Woche die geleakten Songs fertig gemixt und regulär veröffentlichte. Aber irgendwie schien das keine Rolle zu spielen. Denn als Madonna an den Brit Awards ausrutschte und hinfiel, wurde darüber wesentlich mehr berichtet als über die neuen Songs. Und nein: Es ist kein Ruhmesblatt für die Journalisten und es spricht auch nicht für die Grösse von Madonna, dass von der letzten Brit-Award-Verleihung nicht mehr im Gedächtnis bleibt als ein unbedeutend lächerlicher Sturz. Die dümmsten Schlagzeilenerfinder schlagzeilten denn auch: «Der tiefe Fall der Madonna». Miserable Aussichten auf die Art und Weise, wie das bevorstehende neue Album aufgenommen werden würde.
Und siehe da: Die meisten Plattenbesprecher sehen mit «Rebel Heart» das Ende von Madonna gekommen. Ihr Argument: Dass da nichts Stilprägendes und nichts Revolutionäres und nichts Provozierendes mehr sei, wie es früher mal war. Freilich überlegen sich die Rezensenten nicht, was denn in der heutigen Zeit, wo sogar das Schlagwort 2.0 bereits veraltet ist, noch stilprägend, revolutionär und/oder provozierend sein könnte. Und verkennen die Tatsache, dass Madonna auf «Rebel Heart» nicht zum ersten Mal, aber deutlich über sich selber reflektiert. Und das, liebe Facebookliker und Instagramposter, das ist heutzutage wirklich revolutionär.
Und freilich sind bei der Rezeption von «Rebel Heart» viele weitere Fehler unterlaufen. Zum Beispiel bei DRS3, wo verkündet wird, dass das neue Album zwar besser sei als die letzten drei, aber nicht stilprägend, revolutionär und/oder provozierend, und deshalb «durchfällt». Derweil es niemandem aufzufallen scheint, dass sämtliche potentiellen Thronfolgerinnen von Madonna inzwischen kläglich kapituliert haben: Lady Gaga? Ideenleer. Katy Perry? Kinderstar. M.I.A.? Das war bloss ein Mittelfinger. Nicki Minaj? Packts nicht. Rita Ora? Who the fuck.
Und dann steht in der Zeitung: «Miley Cirus provoziert mit Achselhaaren». Ist es das, was die Presse meint mit stilprägend, revolutionär und/oder provozierend? Ha ha! Na dann gute Nacht!
Im übrigen bin ich der Ansicht, dass Bono Vox verboten werden sollte.

Tracks 3 15 (Mai/Juni 2015)

Christian
About Christian Hug 57 Articles
Seit den Sex Pistols «into music», seit 2001 freier Journalist und Buchautor. Jahrelange Mitarbeit im «Music Scene», «Toaster», TagesAnzeiger - Ernst», «Style» und andere. Kein MP3-Freund.

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