HEAVY METAL KIDS The Albums 1974-76

HEAVY METAL KIDS
The Albums 1974-76
Cherry Red Records

Die bekannteste und zentrale Figur der englischen Heavy Metal Kids war Sänger Gary Holton. Der 1985 an einer Drogenüberdosis verstorbene Holton war auch Theaterschauspieler. 1971, zwei Jahre vor der Gründung der Heavy Metal Kids trat er im Musical Hair in London auf. Holton war es denn auch, der die Band zusammen mit Mickey Waller (Gitarre), Ronnie Thomas (Bass), Keith Boyce (Schlagzeug) und Gitarrist Cosimo «Cosmo» Verrico ins Leben rief. Seine extrovertierte Show machte einen Teil des Charmes der Band aus. Daneben erwies sich die Band stilmässig als sehr flexibel. Das 1974 erschiene selbstbetitelte Debüt enthält eine Mischung aus Rock and Roll, Bluesrock, Balladen und einem Reggaesong (!). Angesichts dieser Mischung erstaunt der Bandname etwas. Der Begriff «Heavy Metal Kids» stammt denn auch aus einem Roman von William S. Burroughs und hat mit der besagten Musikrichtung nichts zu tun. Das Zweitwerk «Anvil Chorus» (1975) fiel stilmässig einheitlicher aus. Rock and Roll mit einer Prise Blues, Boogierock und auch etwas Soul dominierten das Album. Einflüsse von Mott The Hopple und auch den Rolling Stones waren auszumachen. Damit positionierten sich die Heavy Metal Kids gut im damals grassierenden Glamrock. Und mit «The Turk (An’Wot’e Smokes)» war tatsächlich eine (instrumentale) Heavy-Metal-Nummer dabei. Das dritte Album «Kitsch» (1976) der Heavy Metal Kids in den Siebziger war gleichzeitig auch ihr erfolgreichstes. Die Single «She’s No Angel»  platzierte sich in den UK-Charts und die Band durfte bei Top Of The Pops auftreten. In den acht Songs wandte die Band sich dem Pomp- und Art-Rock zu. Teilsweise hatte das mit dem klassisch ausgebildeten Keyboarder John Sinclair zu tun, der neu zur Band gestossen war, aber auch mit Produzent Mickie Most (Mud, Suzi Quatro, Ho Chocolate, u.a), der sich mit «Kitsch» ein Denkmal setzen wollte. Anscheinend hatte Most die Aufnahmebänder so oft angehört und bearbeitet, dass man hindurchsehen konnte. Trotzdem oder vielleicht gerade deswegen ist das dritte Werk der Kids auch heute noch ein Ohrenschmaus für Freunde des Genres. Leider war nach «Kitsch» Schluss. Ausschlaggebend dafür waren sicherlich auch die diversen personellen Wechsel und die Drogenprobleme und schliesslich der Ausstieg von Gary Holton. Obwohl die Heavy Metal Kids in der kurzen Zeit ihrer Existenz nicht sehr erfolgreich waren, beeinflussten sie nachgehend eine Menge anderer Bands. Neben offensichtlichen wie den Hanoi Rocks liessen sich auch  n.a. The Damned, The Adverts oder Cock Sparrer von den Kids inspieren. 2003 veröffentliche die wiedervereinigte Band mit den Originalmitgliedern Ronnie Thomas, Danny Peyronel  und Keith Boyce mit «Hit The Right Button» ein neues Album. Die zuweilen hart rockenden Songs zeigen, dass die Band nichts von ihrer Energie verloren hat. 

Roebi
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