77 Bombay Street @ Konzerhaus Schüür – Luzern

7. Februar 2020

Lieder für den «Club Of Optimistic People»

Nach nur vier Songs zogen die Gebrüder Buchli bereits ihre Uniformen aus. Der volle Einsatz hatte sie ordentlich ins Schwitzen gebracht. Auch dem Publikum wurde es schnell warm. Das Quartett riss die Fans von Beginn weg mit. Die Auftaktsongs hatten 77 Bombay Street optimal ausgewählt. Begonnen wurde mit «Follow The Rain», dessen Chorus viel Feuerzeug-Feeling versprüht, dann kam die Up-Tempo-Nummer «47 Millionaires» und mit «Empire» einer ihrer bisher grössten Hits. 77 Bombay Street wissen, wie sie das Publikum packen können. Die Gebrüder Matt (Gesang, Gitarre), Joe (Gitarre, Gesang), Esra (Drums, Gesang) und Simri-Ramon (Bass, Gesang) haben schliesslich Erfahrung als Strassenmusiker. Da hast du meistens nur eine Chance. Vielleicht ist ihre aktuelle Tour «Acoustic Tour», die erste seit zwei Jahren eine Art Rückbesinnung auf diese Zeit? Ihr letztes Album liegt noch länger zurück. «Seven Mountains», ihr drittes Werk, erschien 2015. Sänger Matt verspricht, dass im Herbst ein neues kommen soll. Die erste Single wird wahrscheinlich im April erscheinen. Spielen können sie aber noch nichts davon. Das Konzert in Luzern ist das zweite der «Acoustic Tour». Einen Tag zuvor haben sie im ausverkauften Moods in Zürich gastiert. Die Schüür war nicht ganz voll, aber fast. Das grösstenteils junge Publikum kam voll auf seine Kosten. Unter den 22 Songs waren alle Hits dabei. Inszeniert mit einer wohlwissenden Dramaturgie. Nach einer mitreissenden Aufwärmphase schalteten 77 Bombay Street mit langsameren Liedern einen Gang runter. Mit «Miss You Girl» wurde gar eine uralte Ballade gespielt, die Sänger Matt im zarten Alter von 14 Jahren geschrieben hatte. Heute ist er 38-jährig. Danach wurde das Tempo wieder erhöht. 77 Bombay Street spielen Musik für den «Club Of Optimistic People », wie einer ihrer Songs heisst. Leider fehlte der an diesem Abend! Ihr flott gespielter Folk-Pop mit eingängigen und mitsingbaren Melodien, oftmals mehrstimmig dargeboten, lässt einem immer wieder warm ums Herzen werden. Das Publikum tanzte dazu, hüpfte im Takt, schwang die Arme und liess sich sogar dazu bewegen, in die Knie zu gehen wie im Song «Gladiator». Die Band suchte immer wieder den Kontakt mit der Menge, löste einmal gar die Grenze auf. Zu «Long Way» stieg die Band von der Bühne, lief durchs Publikum und sang weiter, komplett unverstärkt. Das nennt man Publikumsnähe!

Auch das erfrischende, kurz darauf folgende «Wake Me Up» gehörte zu den Höhepunkten des Abends. Dafür kommt bei «In The War» nicht zum Tragen, dass es sich um ein Anti-Kriegs-Lied handelt. Vielleicht liegt das auch ein wenig an der poppig-eingängigen Verpackung!? Bei «Angel» können sich 77 Bombay Street eine (selbst)-ironische Anspielung an die Kelly Family nicht verkneifen, die mit «An Angel» einen ähnlichen Song im Repertoire haben. Die vier Brüder stammen aus einer neunköpfigen Familie, die schon von klein auf gemeinsam musizierte – wie die Kelly Family. «Bombay» wird als eine Art Call-And-Response-Nummer dargeboten. Einmal mehr eine gelungene Interaktion mit dem Publikum. Zu einem ihrer anderen grossen Hits, «Lady Gaga», animiert die Band das Publikum zu Aerobic. Ins Schwitzen kamen Mann und Frau auch so. Das Beste kommt zum Schluss, oder fast. Ihren grössten Hit «Up In The Sky» sparen sich 77 Bombay Street für die Zugaben auf. Das Publikum ist hingerissen. Zum Abschluss intonieren sie das berührende «Waiting», einmal mehr komplett unverstärkt. Matt, Esra, Joe und Simri-Ramon, einer nach dem anderen trat hervor und sang seinen Teil. Was für ein Bild. Was für ein beglückender Abend.

Bilder: Lena Pally

Roebi
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