ARCH/MATHEOS – Winter Ethereal

ARCH/MATHEOS
Winter Ethereal
Metal Blade/Sony
 
lg. Die beiden Genies des progressive Metals haben sich wieder zusammengetan und geben nach den ersten drei Fates Warning-Scheiben („Night On Brücken“, „The Spectre Within“ und dem unerreichbar besten Metal-Album aller Zeiten, „Awaken The Guardian“; 1984-1986), der John Arch EP „A Twist Of Fate“ (2003) und dem ersten Album unter dem Banner Arch/Matheos „Sympathetic Resonance“ (2011) mit „Winter Ethereal“ ein neues Lebenszeichen von sich. Die beiden Protagonisten sind Garanten für  Wärme in einem Genre, das meist sehr technikaffin und somit nicht aus dem Herzen, sondern aus dem Kopf gelebt wird. Kein anderer wie Gitarrist Jim Matheos schafft es, in sein Songwriting die zauberhafte Stimme des sensiblen Künstlers John Arch einzubetten, der sich vor 30 Jahren ganz bewusst gegen eine professionelle Musikerkarriere entschieden hat und unter Druck offenbar nicht sehr gut funktioniert.
 
Doch nun zur Musik auf „Winter Ethereal“: Bereits der Opener „Vermillion Moons“ packt durch seine absolut zwingenden Melodien und lässt trotz einer metallischer Instrumentierung genügend Platz zum atmen. Das wunderbare „Wanderlust“ geht noch eine Schritt weiter und fesselt durch einen sensationell melodischen zweiten Songteil – ein Song, den auch Fates Warning mit Arch an den Vocals hätten aufnehmen können. Tracks wie „Solitary Man“ oder „Straight And Narrow“ (diese Vocal-Lines!) sind nichts anderes als recht hart dargebotener höchstklassiger Progressive Metal, während andere Songs wie „Tethered“ eher in ruhigeren Gefilden anzusiedeln sind. Das grosse Highlight folgt mit dem letzten Song “Kindred Spirits”, das es in 13 langen Minuten schafft, nie Langewelle aufkommen zu lassen und alle obergenannten Facetten umschliesst. Nach einem ruhigen Anfang entfaltet sich  „Kindred Spirits“ ein einen wahrhaftiger treibenden progressive Kracher, der einen auf eine lange Reise mitnimmt.
 
Die Lyrics lagen leider für diese Review nicht vor, doch geht es laut Sänger Arch um „wiederkehrende Themen in Bezug auf die schwer fassbare Bürde und Flüchtigkeit menschlicher Gefühle, die oft mehr Fragen aufwerfen als beantworten“. Neben John Arch und Jim Matheos finden sich auf der Platte viele Personen aus dem Fates Warning-Umfeld wie die Drummer Bobby Jarzombek und Mark Zonder oder die Bassisten Joe DiBiase und Joey Vera – auch andere renommierte Musiker wie Steve Di Giorgio (Testament) oder Sean Malone (Cynic) an Bass und Thomas Lang am Schlagzeug leisten ihren Beitrag. Trotz dieser vielen Beteiligten hat es Jim Matheos spielend geschafft, eine warme und differenzierte Produktion hinzukriegen.
 
An „Winter Ethereal“ wird im progressiven Metal und Rock-Bereich in der kommenden Zeit (und damit über 2019 hinaus) mit Sicherheit nichts vorbeikommen – vor allem aufgrund der Leistungen der beiden Hauptprotagonisten Jim Matheos und John Arch mit seinen Supervocals und lässt Alben wie die wahrhaftig gute letzte Dream Theater wie Randnotizen erscheinen. „Winter Ethereal“ hat jetzt schon den Test Of Time bestanden und schlägt als eine Art „Awaken The Guardian“-Reloaded die Brücke von der Vergangenheit in die Gegenwart. Grossartig und kaum zu übertreffen! Die knapp 70 Minuten Spielzeit verlangen dem Hörer alles ab – diese Investition lohnt sich aber. Die Erleuchtung ist garantiert. 
 
Laurent Giovanoli

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