REDWOOD Redwho…?

REDWOOD
Redwho…?
TBA

Genau genommen sind es sieben Jahre her, seit das letzte Redwood-Album erschienen ist, wenn man die 2013er-Best-of-Sammlung nicht mitzählt. Das ist eine lange Zeit. Vor allem deshalb, weil Redwood eine gute Band ist. Denn schon dem Debüt «Pieces» von 1994 (!) war anzuhören, dass die Musiker ein ausgeprägtes Gespür für Popmusik haben, die wie Rockmusik klingt beziehungsweise umgekehrt, und das verbunden mit gutem Songwriting und der wunderbar dazu passenden Stimme von Nicole Kammermann. Kein Wunder also, dass das neue Werk selbstironisch «Redwho…?» heisst, im Sinne von: Wer war das schon wieder?
Nun denn: «Redwho…?» ist eine Zwölfer-Auswahl von 47 Songs, die die Band in den letzten Jahren geschrieben hat, während die Bandmitglieder hauptsächlich mit Familie, Beruf und anderen Musikprojekten beschäftigt waren (Nicole zum Beispiel singt bei Franz Arnold’s Wiudä Bärg, ist das zu fassen, und sie macht dort einen tollen Job). Und wieder schaffen Redwood diesen anspruchsvollen Dreh, Pop wie Rock klingen zu lassen beziehungsweise umgekehrt. Das gibt den Songs Drive, Präsenz und Kraft, sie fliessen dynamisch und organisch, das macht Freude. Dummerweise werden jetzt alle Vollschlaffmainstreamradiostationen sich das Album anhören, mit den Schultern zucken und so nervig mutlosen Schwachsinn sagen wie: Das sind gute Songs, aber weisch, für unser Publikum ist das zu hart. Schade. Aber davon lassen sich Redwood nicht stören. Der Opener «All Rocks & Hard Places» klingt wie einer der besten Cranberries-Songs, im folgenden «Sitting In A River» geht’s zielstrebig schnürend über das Pop-Feld und so weiter, und immer ist genau diese Prise Salz in den Songs, die ebendiese kompakt und hundertprozentig macht. Fast immer jedenfalls. In ein, zwei Songs klingen Redwood, als hätten sie das letzte Körnchen Salz noch nicht gefunden, und vor allem: Sie klingen, als wüssten sie das. Was den Song wiederum irgendwie trotzdem sympathisch macht. Alles in allem: Endlich wieder mal ein grandioses Pop-Album, das überhaupt nichts mit Baschi oder Heimweh oder Bligg zu tun hat.

Christian Hug

Christian
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Seit den Sex Pistols «into music», seit 2001 freier Journalist und Buchautor. Jahrelange Mitarbeit im «Music Scene», «Toaster», TagesAnzeiger - Ernst», «Style» und andere. Kein MP3-Freund.

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