ZATOKREV – Ein Rückblick auf die Anfangstage der Sludge-Lords aus Basel

2002 hat Fredy Rotter die Band Zatokrev gegründet, nachdem er bereits in anderen Basler Bands wie Coma Star an der Gitarre gewirkt hat. Ursprünglich als Trio gestartet, nahm man ab 2006 einen zweiten Gitarristen dazu und so konnten Zatokrev ihre Soundwelten noch vielschichtiger gestalten. TRACKS sprach mit Gitarrist und Sänger Fredy Rotter anlässlich der erstmaligen Veröffentlichung des selbstbetitelten Debüts auf Vinyl und tauchte mit Fredy tief in die Vergangenheit von Zatokrev ein.

Auf den Auslöser für die Gründung von Zatokrev angesprochen antwortet Fredy, dass sich dies so ergeben habe, nachdem er seine Rolle als Sideman bei den Basler Bands Coma Star und Undergod nicht als erfüllend wahrgenommen hat. “Ich habe erst mit 18 Jahren angefangen, Gitarre zu spielen und habe mit 20 Jahren erstmals Erfahrungen in Bands gesammelt. Allerdings wollte ich eigene Sachen machen und hatte viele Songs, doch der Zeitpunkt musste stimmen. Ich musste mich auch selber als Musiker zuerst entdecken”. Fredy stieg bei Coma Star aus, als die Band in die USA dislozierte, um ihre Möglichkeiten auszuloten. Obschon er aktiv am Songwriting beteiligt war, konnte er nicht all seine Ideen umsetzen, weshalb der Wunsch nach der eigenen Band stärker wurde. “So kam es schliesslich zur Gründung von Zatokrev”, erklärt Fredy. Als damalige Einflüsse und Urväter von Zatokrev nennt Fredy die Bands, die ihn damals geprägt haben, wie Pantera, Crowbar, EyeHateGod, Neurosis oder auch den Death Metal der 90er-Jahre mit Bands wie Obituary, Entombed oder Death. “Witzigerweise wurden Zatokrev mit Bands verglichen, die wir damals noch gar nicht kannten, wie zum Beispiel Cult Of Luna. Nach erstmaligem Anhören fanden wir die überhaupt nicht ansprechend, was sich im Laufe der Zeit jedoch geändert hat”, so Fredy weiter.

Der ungewöhnliche Bandname Zatokrev hat seinen Ursprung in der tschechischen Sprache und bedeutet soviel wie “dafür Blut” oder mit anderen Worten Herzblut. “Ich bin extrem glücklich, dass ich Zatorkev gegründet habe und meinem Gefühl gefolgt bin. Ich bin einfach nicht gemacht für die Rolle des Sidemans – ich habe meine Visionen, die ich verwirklichen muss”, stellt Fredy klar. Auf die Frage nach dem Stellenwert des Debüts, welches nun immerhin 15 Jahre auf dem Buckel hat, gibt Fredy zu Protokoll: “Die fünf Songs haben wir als Demo selber aufgenommen und wir hatten noch keine grossartigen Fähigkeiten als Produzenten. Ich war mit damit auch nie wirklich zufrieden. Allerdings war das Album in vielerlei Hinsicht ein Türöffner, Labels interessierten sich plötzlich für uns und wir kamen zu vielen guten Auftritten. Wir spielen nach wie vor den Song “Zato Krev”, ein für mich zeitloser Song mit einem für mich sehr wichtigen Text”. Die Lyrics sind übrigens auf Tschechisch gehalten und wer Fredy schon mal bei der Performance dieses Tracks erlebt hat, weiss, dass er aus seinem Innersten kommt.

Schliesslich zerfiel das Original Line-Up mit Marco Grementieri am Bass und Silvio Spadino am Schlagzeug im Jahre 2010. “Wir haben uns in aller Freundschaft getrennt. Die Prioritäten gingen auseinander – plötzlich kamen Beziehungen und Berufe dazu, so dass wir nicht mehr den gleichen Fokus hatten. Es gab zu keiner Zeit böses Blut – wir haben uns als Kumpels getrennt und spielten den Basler Reunion-Gig ebenfalls als Kumpels”, so Fredy.

Am 14. April 2018 fand im Basler Hirscheneck eine einmalige Show von Zatokrev im Original Line-Up statt, bei welcher viele alte Songs gespielt wurde und gleichzeitig die Vinyl-Veröffentlichung des Debüts ordentlich getauft und das 15-jährige Bühnenjubiläum von Zatokrev begangen wurde. Fredy: “Wir spielten schon mit dem Gedanken, mal eine solche Show abzuziehen, doch der endgültige Kick kam von einem Freund von uns, der auch tief in der Szene verankert ist.” Auch wurde für dieses Konzert der Flyer der ersten Show von Zatokrev neu aufgelegt.

Zatokrev werden bald wieder neues Material veröffentlichen, liegt doch das letzte Album “Silk Spiders Underwater” bereits drei Jahre zurück. Am Czar Fest, dem Festival von Fredys sehr interessantem Plattenlabel Czar Of Crickets, wird Fredy mit seiner anderen Spielwiese “The Leaving” umarrangierte Zatokrev Songs zum Besten geben, unter anderem das fabelhafte “Goddamn Lights”. Für aufgeschlossene Musikfans ist das Czar Fest am 11. und 12. Mai in der Basler Kaserne ein Pflichttermin.

Laurent Giovanoli

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