ONE LUCKY SPERM Interview mit Frontmann Tizian von Arx

Fotografie: Marco Sieber

«Danach würde ich gerne mit den Foo Fighters ein Bier trinken gehen»

Die Luzerner Band One Lucky Sperm veröffentlichte am 13. April 2018 ihr zweites Album «Cream Fresh». Doch erst am Mittwoch, 9. Mai 2018, findet im Konzerthaus Schüür in Luzern die Plattentaufe statt (Verlosung 1×2 Tickets). Und in der Zwischenzeit rangierte sich das Album auf Platz 7 der Top Ten der Schweizer Charts ein. Grund genug für TRACKS, dem Frontmann Tizian von Arx einige Fragen zu stellen.

Platz 7 der Schweizer Charts, wie fühlt sich das an?
Tizian von Arx: Das ist natürlich extrem erfreulich und war auch gar nicht erhofft. Es ist für mich und soviel ich weiss für die anderen beiden Bandmitglieder das erste Mal, dass wir es in die Top Ten geschafft haben. Wir haben das natürlich das ganze Wochenende gut begossen und gefeiert.

Hat sich dein Verhältnis zum Radio verändert, seit du selbst darin gespielt wirst?
Nein, man gewöhnt sich dran, im Radio zu sein, und geht dann auch nicht mehr überall schauen, wo wir gespielt werden. Da ich halbtags in einem Büro arbeite, in dem ständig Radio gehört wird, höre ich unsere Songs. Wir schätzen uns sehr glücklich über die Airplays, es läuft besser als erwartet. Man weiss ja vorher nie, ob man tatsächlich ins Programm aufgenommen wird. Als es dann plötzlich hiess, dass die Sender unsere Songs spielen werden, waren wir sehr happy. Für mich ist es zudem ein Novum, von privaten Radiosenden gespielt zu werden. Aber es ist schon nicht so cool, mich selbst im Radio singen zu hören. Immerhin habe ich gemerkt, dass ich weniger «Probleme» damit habe, wenn ich die Songs selber abgemischt habe. Bei Interviews habe ich auch nicht so Mühe, mich selbst zu hören. Da nerve ich mich eher darüber, wenn ich im Nachhinein merke, dass ich etwas Dummes gesagt habe.

Was ist bei «Cream Fresh» anders als beim ersten Album?
Das letzte Album «One In A Few Million» war weniger dancing, und es gab weniger «Drumherum». Früher habe ich nicht so drauf geschaut, wie wir tönen, es gab auch keinen festen Mischer. Jetzt ist alles technischer: Wir haben zwar immer noch das ganze Equipment in zehn Minuten aufgestellt, es braucht aber heute mehr Planung und Organisation. Und wir wollen im Studio denselben Sound, den wir auch live bringen wollen.

One Lucky Sperm: Wieso der Name?
Wir haben damals für 7 Dollar Taxi einen coolen Bandnamen gesucht. Mein Onkel hat einen Monat lang ein Büchlein vollgeschrieben mit Namensvorschlägen. Wir haben dann die besten zehn herausgepickt und uns für 7 Dollar Taxi entschieden. In den Top fünf war aber auch «The Lucky Sperms». Als ich dann das Soloprojekt begann, habe ich mich für One Lucky Sperm entschieden, ich fand das lustig. Weil heutzutage fragt man sich viel zu wenig, wo wir denn eigentlich herkommen. Man benötigt nur eine Spermazelle und eine Eizelle, und dann entsteht etwas so Schönes!

Die Texte sind anrüchig. Kann man sie deshalb nirgends finden?
Zum ersten Mal in meiner Karriere sind im Booklet keine Texte drin. Wir wollten eine möglichst günstige CD machen, darum gab es auch kein Booklet und ergo kein Textbüchlein. Und die, die wirklich wissen wollen was wir zu erzählen haben: Hört gut zu.

Plant One Lucky Sperm bereits ein neues Projekt?
Im Juni drehen wir das Video zum Song «Summer». Wir möchten im Herbst so viel auftreten wie möglich, für den Sommer sind schon einige Shows geplant, was uns sehr freut. Wir sind intensiv am Proben, um eine schön gefederte Show zu liefern, die den Leuten ins Gesicht drückt.

Was ist euer Ziel?
Wir möchten möglichst viele Konzerte spielen, das ergibt sich aber selten von alleine (lacht). Dafür muss man Videos machen und alles rundherum organisieren. Es wäre toll, eine Deutschland-Tour zu spielen. Es wäre toll, alle eineinhalb Jahre mit One Lucky Sperm und 7 Dollar Taxi abwechslungsweise ein Album herauszubringen und dann eine Tour zu machen.

One Lucky Sperm war zuerst ein Soloprojekt, nun sind zwei weitere Jungs feste Bandmitglieder. Bleibt es nun beim Dreiergespann?
Ja, das bleibt momentan so. Wir haben einige Sounds auf dem Album, die wir geil finden und auch live spiele möchten. Jeder weiss genau, was er zu tun hat. Das zweite Album ist live einiges schwieriger zu spielen, man muss sich wirklich konzentrieren. Viel Bier zu trinken, liegt da nicht drin vor der Show (lacht). Jeder muss mit hundertprozentiger Energie dabei sein – und ist es auch! Das ist auch das Schöne dabei. Wir sind wie eine Familie, jeder fühlt sich am richtigen Ort. Und eigentlich sind wir ja vier Mitglieder! Wir zählen unseren Mischer auch mit: Er ist immer dabei bei den Proben, ist gleichverdienend, und wenn man live gut klingen will, muss der Mischer dann auch alles können. Wenn man es noch genauer nehmen will, sind wir eigentlich fünf Mitglieder: Unser Booker ist auch für die Promo und das Label zuständig. So haben wir die perfekte Situation. Falls wir mal grösser werden wollen, dann kann ich mir vorstellen, einen echten Bassisten in unserer Band zu haben. Einige in der Band fänden Background-Tänzerinnen/-Sängerinnen cool. Es gäbe auf alle Fälle genügend Aufgaben zu verteilen auf der Bühne. Wie gesagt, die ganze Show ist komplex, wir müssen uns konzentrieren, um eine perfekte Show abzuliefern. Aber genau das wollen wir ja.

Deine beiden Bands One Lucky Sperm und 7 Dollar Taxi spielen verschiedene Stile – was macht mehr Spass?
Na hoffentlich sind es zwei verschiedene Musikrichtungen! Aber ich kann nicht sagen, was mehr Spass macht. Will ich auch gar nicht. Es sind zwei verschiedene Welten mit anderen Leuten, ich bin mit beiden Bands sehr gerne unterwegs. Mir ist wichtig, dass sich alle gut verstehen. Bei 7 Dollar Taxi hatten wir in den 15 Jahren noch nie Streit. Bei One Lucky Sperm ebenfalls noch nie. Wir sind viel zusammen – da ist das Zusammensein noch schöner, wenn keine Streitereien aufkommen.

Dein Traum: Auf welcher Bühne willst du mal stehen? Und in welcher Formation?
Also ganz toll wäre natürlich das Glastonbury Festival in England, auf der Pyramid Stage, um zehn Uhr am Abend mit 7 Dollar Taxi und um elf mit One Lucky Sperm. Danach würde ich gerne mit den Foo Fighters ein Bier trinken gehen.

Groupies?
Nein, nicht im klassischen Sinn. Aber wir lernen alle gerne die Konzertgänger kennen und haben eine gute Zeit miteinander. Ich glaube, heutzutage ist es nicht mehr so cool ,ein Musiker zu sein. Der Stellenwert hat sich verschoben, weil sich auch der Musikkonsum verändert hat.

Was nervt dich im Musikbusiness denn am meisten?
Man kann das Musikbusiness heutzutage fast nicht mehr als Business bezeichnen, dafür wird zu wenig Geld umgesetzt. Trotzdem gibt es noch viele Leute, die sich zu ernst nehmen in der Branche. Ich finde, das Musikertum ist ein Auffangbecken für schräge, aber gute Leute. Ich verstehe mich auch meistens sehr gut mit allen. Aber sobald es nur noch um Geld geht, löscht’s bei mir ab. Wir halten es bei uns eher tief: Wir schmeissen vieles zu Dritt. Wir telefonieren hin und her, verhandeln mit den Grafikern und dem Presswerk und allem, was dazugehört. Aber alles, was nicht auf der Bühne stattfindet, macht uns allen wenig Spass. Eigentlich suchen wir jemanden, dem wir vertrauen können, der das für uns in die Hand nehmen kann. Aber dafür ist nicht jeder gemacht. Und die, die dafür gemacht sind, finde ich sowieso eher komisch (lacht).

Mit deinen 31 Jahren hast du nun schon einige Projekte gemeistert – mitten in der turbulenten Zeit des Erwachsenwerdens. Wie packt man das alles unter einen Hut?
Jeden Moment, den man Chillen kann, muss man nutzen – und Teeli trinken. Wenn ich mal ausschlafen kann, dann tu ich das richtig. Natürlich habe ich auf einiges verzichtet, aber das ist nicht weiter schlimm. Da ich nur in einem Fünfzig-Prozent-Pensum angestellt bin, bin ich auf das Einkommen aus der Musik angewiesen. Wenn andere noch Party machen, geh ich dann halt nach Hause.

Möchtest du den Lesern noch etwas appellieren?
Gratulieren? Ich gratuliere, dass alle die Eizelle getroffen haben.

Nein, ich meinte «appellieren».
Ahhh so! (lacht) Ja dann appelliere ich darauf, dass sie an unsere Konzerte kommen, damit wir sie kennenlernen können!

Interview: Aline Hug

Aline
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Die Helden: Lemmy Kilmister, Jimi Hendrix, Jim Morrison.

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