BLACK STAR RIDERS The Killer Instinct

BLACK STAR RIDERS

The Killer Instinct

Nuclear Blast/Warner

Die Thin Lizzy Erben legen ihr zweites Album vor und liefern wieder allerbeste Kost ab, die den alten Lizzy-Fans Freudentränen in die Augen treiben dürfte. Auch wenn Phil Lynott für immer unersetzlich bleiben wird, hat die Band mit Sänger Ricky Warwick einen herausragenden Frontmann, der das Lynott-Vermächtnis respektvoll und gekonnt verwaltet und den Geist des verstorbenen Lizzy-Chefs in die neuen Songs einfliessen lässt. Dabei kann von einer Kopie keine Rede sein, Warwick hat genügend eigene Qualitäten, die er hier in grossem Mass vorführt. Er hat eben diese spezielle (irische) Art Melodien und Phrasierungen zu finden, die denen von Lynott sehr ähnlich sind. Auch der Rest der Truppe, allen voran Original-Lizzy Scott Gorham an der Gitarre, läuft auf „The Killer Instict“ wieder zu grosser Klasse auf. Da ist alles vorhanden, was die Blechliesel in den 70ern zu dieser einzigartigen Band machte: wunderbare Dual-Leadgitarren, ein mitreissender Groove in jedem Song und die irischen Folkroots, die sich in praktisch jedem Song mehr oder weniger ausmachen lassen. Als Paradebeispiel sei hier der Titel „Soldierstown“ angeführt, einer der Glanzpunkte des Albums. Generell ist Gitarrenarbeit bei den Black Star Riders allererste Sahne, Damon Johnson und Scott Gorham ergänzen sich perfekt und liefern wunderschöne Melodien. Hier wird nicht plan- und seelenlos herumgeschreddert, hier macht jeder Ton Sinn und verbreitet ein akustisches Wohlgefühl im wahrsten Sinn des Wortes. Die Gitarrenmelodien unterstützen den Song und nicht umgekehrt, Gorham und Johnson dienen sozusagen dem Song und ordnen sich ihm unter. Und genau das macht, zusammen mit Warwicks tollen Gesangslinien, die Klasse der Riders-Songs aus. Die Band hat sich im Laufe ihres relativ kurzen Bestehens (lässt man mal die Zeit davor aus, als sie unter dem Namen Thin Lizzy ausschliesslich den Lizzy Songkatalog präsentierten) zu einer perfekt harmonierenden Einheit entwickelt, was sich nicht nur im Zusammenspiel sondern vor allem auch im Songwriting ausdrückt. Klar gibt es unter den hier enthaltenen zehn Songs gewisse Qualitätsabstufungen, aber selbst die Titel, die nicht ganz die 10 Punkte auf der Bewertungsskala erreichen, fallen praktisch nie unter 9, lediglich der Schlusssong „You Little Liar“ hat einen gewissen Füller-Charakter. Das heisst unterm Strich: „The Killer Instict“ ist ein herausragendes Album einer verdammt starken Band ohne Schwachstellen, die zwar das musikalische Lizzy-Erbe fortführt – jedoch längst zu einer eigenständigen Formation gewachsen ist. Grosse Klasse!

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Hanns, Herausgeber und Chefredaktor, ist der CH-Musikszene seit den 80er-Jahren als Produzent, Musiker und Redaktor eng verbunden. Er war jahrelang Chefredaktor des Schweizer Musikmagazins MUSIC SCENE, des deutschen Magazins MUSIK SZENE und arbeitete für u. a. MUSIK EXPRESS, METAL HAMMER.