DIE TOTEN HOSEN Am Anfang war der Lärm

PHILIPP OEHMKE

Die Toten Hosen

Am Anfang war der Lärm

Rowohlt Verlag

hh. Die dreissigjährige Karriere der grössten Rockbands Deutschlands, die mit dem Song „Tage wie diese“ eine generations- und lebenseinstellungsübergreifende Hymne schuf, die wahrscheinlich bis in alle Ewigkeiten überdauern wird, auf knapp 400 Seiten. Und sie ist ja noch nicht zu Ende, ein zweiter Teil könnte also durchaus noch folgen.

Bis das soweit ist, vergnügen wir uns mit dieser Bandbiografie, wobei „Vergnügen“ im wahrsten Sinn des Wortes verstanden werden darf. Und das ist neben der mehr als interessanten Geschichte der Düsseldorfer Punkrocker das Verdienst von Autor Philipp Oehmke, der seine Brötchen auch als Kulturredaktor beim Spiegel verdient und diese Bandgeschichte packend, spannend und höchst informativ verfasst hat.

Oehmke machte 1992 sein erstes Interview mit den Hosen, damals noch für eine Schülerzeitung. Bis er 2008 ein langes Portrait über Hosen-Frontmann Campino für den Spiegel schrieb, folgten noch diverse weitere Treffen mit der Band. Für das Campino-Feature begleitete Oehmke die Band wochenlang, freundete sich mit den Musikern an und steht seitdem in engem Kontakt mit ihnen.

So öffneten sich Campino, Kuddel, Andi, Breiti und mitunter auch Drummer Vom (ist seit 1998 als „Angestellter“ dabei),   ihm gegenüber auf ehrliche, unverblümte Art und geben tiefe Einblicke in das Seelenleben der Band und der einzelnen Individuen. Da wird nichts beschönigt oder im Nachhinein glatt gebügelt, die Hosen nehmen kein Blatt vor den Mund und schrecken auch nicht davor zurück, unpopuläre Begebenheiten auf den Tisch zu legen.

„Am Anfang war der Lärm“ ist eine der besten Musikerbiografien auf dem Markt, hervorragend recherchiert und in Worte gefasst. Dass die Band zum  Autor ein grosses Vertrauensverhältnis aufgebaut hat, ist in jeder Zeile nachzuvollziehen und macht den Wert dieses Buch aus. Hier werden nicht nur Tatsachen nach Jahreszahlen abgearbeitet und mit ein paar Anekdoten aufgefüllt, wie es ja leider in vielen Biografien an der Tagesordnung ist, sondern der Leser bekommt umfassende und tiefe Einblicke in das Gefüge einer Band und deren Musiker, die sich trotz der Megaerfolge immer ihre Bodenständigkeit und Glaubwürdigkeit bewahren konnten.

Damit richtet sich diese Biografie nicht nur an Hosen-Fans, sondern besonders an alle, die Künstlerbiografien schätzen. Sie alle werden hier herausragend bedient. Höchst unterhaltsam, informativ, spannend – einfach  Klasse!!!

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Hanns, Herausgeber und Chefredaktor, ist der CH-Musikszene seit den 80er-Jahren als Produzent, Musiker und Redaktor eng verbunden. Er war jahrelang Chefredaktor des Schweizer Musikmagazins MUSIC SCENE, des deutschen Magazins MUSIK SZENE und arbeitete für u. a. MUSIK EXPRESS, METAL HAMMER.