THE ANSWER Solas

largeTHE ANSWER
Solas
Napalm Records/Universal

 

ip. The Answer haben in den letzten zehn Jahren in erster Linie als Classic/Blues/Rockband von sich reden gemacht. Mit dem Debut „Rise“, das bis heute das vermutlich meistgeliebte bei den Fans ist, verdiente sich das nordirische Quartett euphorische Lorbeeren, musste sich allerdings auch einen Led Zeppelin-Gedenk-Stempel aufdrücken lassen. Versuche, dieses Brandzeichen auf den folgenden Alben loszuwerden, verpufften oft im Nichts. Das lag vor allem daran, dass viele Hörer, und vor allem Kritiker, sich nicht mit den Klängen zwischen den Zeilen beschäftigten, sondern lieber den Nachhall von „Rise“ auszumachen versuchten. Dass sich jedes folgende Album in irgendeiner Form an ihrem Debut messen lassen musste, war nicht nur inhaltlich unfair sondern ermüdete auch die Band.
„Solas“ scheint nun der nächste Schritt, das Zep-Erbe hinter sich zu lassen. Obwohl der Titeltrack immer noch stark vom britischen Mutterschiff beeinflusst ist, wird danach schnell klar, dass The Answer einen ziemlich grossen Schritt in eine andere Richtung gemacht haben. Neben der Rockmusik, die immer das Kernstück ihrer Arbeit sein wird, finden sich auf diesem Album Alternative- und Indiemomente („Beautiful World“), Country/Americana-Anleihen („Being Begotten“, „Demon Driven Man“), avantgardistische Klänge mit 80er Keyboards in „Untrue Color“, das auch David Bowie sehr gut gestanden hätte, oder Mandolinen-Folk mit der wunderbaren Halbballade „In This Land“.
Hört man sich „Solas“ an, weil man nach wie vor nach „Rise“ sucht, sollte man sich besser direkt das Debut anhören. Hört man sich „Solas“ in dem Wissen an, dass The Answer immer schon eine Experimenten aufgeschlossene Band war, die auch immer schon verschiedene Einflüsse verarbeitet hat, dann eröffnet sich einem ein wunderschönes Album mit vielen Überraschungen. „Solas“ ist hypnotisch, dunkel, aber auch, und das vor allem, aufbauend und optimistisch.
Das Herzstück des Albums ist das sechsminütige „Battle Cry“, das inhaltlich Sänger Cormac Neesons kleinem Sohn und seinen schweren ersten Schritten auf dieser Welt gewidmet ist. Eine aus Belfast stammende Sambatruppe unterstützt den lebensfrohen Song mit entsprechenden Rhythmen und hinterlässt damit beim aufgeschlossenen Hörer gute Laune.
„Solas“ ist mutig, verspielt und fragt nach der Aufmerksamkeit und Offenheit der bisherigen The Answer-Fans. Möglicherweise benötigt man mehrere Anläufe. Aber wer sich über „Rise“ hinwegsetzt und sich erwartungslos auf die Reise durch die elf Songs begibt, der bekommt ein grossartiges Rockalbum einer Band, die weit mehr zu bieten hat, als den von ihnen bisher bekannten Classic Rock. Die Progressivität wohnte den vier Nordiren schon immer inne, doch jetzt haben sie den Mut gefunden, den Wurzeln ihrer Musikalität eine Form zu geben und weitere Türen zu ihrem Spektrum zu öffnen. Ein wildes und wunderbares Album.

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Hanns, Herausgeber und Chefredaktor, ist der CH-Musikszene seit den 80er-Jahren als Produzent, Musiker und Redaktor eng verbunden. Er war jahrelang Chefredaktor des Schweizer Musikmagazins MUSIC SCENE, des deutschen Magazins MUSIK SZENE und arbeitete für u. a. MUSIK EXPRESS, METAL HAMMER.