THE JIMMY BOWSKILL BAND Back Number

THE JIMMY BOWSKILL BAND
Back Number
RUF Records

hh. Bereits als 12-jähriger brachte der Kanadier Jimmy Bowskill sein erstes Album heraus und zwei Jahre später wurde er für den Juno Award nominiert. Jetzt ist er 21 und präsentiert sein inzwischen 5. Album. Dafür hat er seine Begleitmannschaft ausgewechselt, was für eine wesentlich härtere Gangart sorgt. Ian McKeown (bs) und Daniel Reiff (dr) rocken kräftig, direkt und schnörkellos immer auf den Punkt. Bowskill zeigt sich hier in blendender Verfassung, gesanglich wie auf den Saiten. Als Gitarrist gehört er eh schon zu den Besten, hat aber hier noch eine Schippe draufgepackt. Musikalisch steckt das Trio bis Oberkante Unterlippe in den frühen 70ern, praktisch über jedem Song schwebt der Geist von Free. Und das kann ja nichts Schlechtes sein, bleiben Free doch eine der besten Bluesrockbands aller Zeiten. Bowskill zitiert zusätzlich noch eine weitere Reihe von 70er-Rockgrössen und mit dem gefühlvollen Titel „Spirit Of The Town“ gibt es sogar mit Bläsern verstärkten Soul (inkl. einem wunderschönen Slide-Solo). Der junge Mann zeigt auf diesem Album auch zum ersten Mal in beeindruckender Weise, dass er jetzt auch als Songwriter zur Topliga im Bluesrock-Bereich  gehört. Bis auf zwei Ron Sexsmith Nummern („Little Bird“, „Least Of My Worries“) und dem Mark Farner/Grand Funk Cover „Sin’s A Good Man’s Brother“ stammen alle Tracks aus Bowskills Feder – und alle Songs haben Klasse und Tiefgang. Hört man diese Songs, scheint es fast unglaublich, dass der Mann gerade mal den Teenie-Schuhen entwachsen ist. Wohl jeder Titel würde beispielsweise bei allen Black Crowes Fans auf grösste Begeisterung stossen. Das Album wurde überwiegend live im Studio eingespielt, ein Verfahren, das sich gerade im Bluesrock-Bereich immer mehr durchsetzt. So wird die Kraft und Intensität einer gut harmonierenden Band am Besten in die Konserve gepresst, vorausgesetzt die Musiker bringen ihre Vorträge fehlerfrei über die Runden. Das allerdings scheint bei dieser Formation kein Problem zu sein, das Trio rockt wie aus einem Guss. Der Sound hat mächtig Druck und kommt sehr transparent durch die Boxen. „Back Number“ ist eine der besten Bluesrock-Scheiben, die man derzeit bekommen kann und richtet sich in erster Linie an alle Fans des frühen Classic-Rocks und speziell an die, die mit vorerwähnten 70er-Truppen wie Free und Grand Funk sowie Blue Cheer etwas anfangen können und sich von neuzeitlicheren Acts wie Black Crowes, Philip Sayce oder Joe Bonamassa (in seinen härteren Momenten) begeistern lassen. Grosse Klasse!

Hanns
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Hanns, der Gründer von TRACKS, ist der CH-Musikszene seit den 80er-Jahren als Produzent, Musiker und Redaktor eng verbunden. Er war jahrelang Chefredaktor des Schweizer Musikmagazins MUSIC SCENE, des deutschen Magazins MUSIK SZENE und arbeitete für u. a. MUSIK EXPRESS, METAL HAMMER.