TESTAMENT, ANNIHILATOR, DEATH ANGEL @ Z7 Konzertfabrik – Pratteln

mv. Der 28. November 2017, ein eigentlich ganz normaler Dienstag im Spätherbst, war irgendwie per Zufall zum Schweizer-Konzerttag für Rockfans aller Sparten auserkoren worden. So musste man sich entscheiden zwischen In Flames/Five Finger Death Punch (Hallenstadion Zürich), Mastodon (Komplex 457 Zürich), Die Toten Hosen (St. Jakobshalle Basel) oder eben Testament/Annihilator/ Death Angel im Z7 in Pratteln. Als Fan der alten Thrash Metal-Schule war dieses Billing ein absoluter Traum. Zweimal Bay Area-Helden in Kombination mit dem kanadischen High Speed-Kommando Annihilator, viel besser kann man ein Billing in diesem Stil nicht zusammenstellen. Das Z7 in Pratteln war deshalb auch gut gefüllt, als Death Angel die Bühne betraten. Wie erwartet legte die Band um Sänger Mark Osegueda und Gitarrist Rob Cavestany los wie die Feuerwehr. Dabei spielte es fast keine Rolle, ob Klassiker wie „Mistress Of Pain“, neuere „Hits“ wie „Thrown To The Wolves“ oder ganz neue Songs wie „The Moth“ dargeboten wurden. Death Angel spielen mit unglaublicher Wucht, Präzision, Bewegung, Spielfreude und vor allem Energie. Nach nicht einmal 40 Minuten war es vorbei und so ziemlich jeder in der Halle hätte gerne noch ein oder zwei Songs mehr gehört. Ein Death Angel-Set ohne „Voracious Souls“, „Kill As One“ oder „Bored“ war schon sehr unvollständig, aber die Band hat trotz der sehr kurzer Spielzeit mehr als überzeugt. Weiter ging es mit Jeff Waters und seiner sich ständig wechselnden Live-Begleitband. Obwohl Jeff seit einiger Zeit ja auch wieder selber singt, ist der Kanadier auf der Bühne dauernd in Bewegung. Egal ob am Singen, am Grimassen schneiden, am Riffs shreddern oder ultraschnellen Gitarrensoli abfeuern, der Mann ist ein echtes Ausnahmetalent und es macht einfach Spass beim Zuschauen. Wenn dann noch alte Granaten wie „King Of The Kill“, „Phantasmagoria“ oder „Set The World On Fire“ ins Publikum geschmettert werden ist das Glück perfekt. Natürlich wurde auch das neue Album „For The Demented“ mit einigen Songs vorgestellt. Jeff ist als Sänger echt gereift und machte seine Sache hervorragend. Beim abschliessenden, natürlich obligatorischen Bandhit „Alison Hell“ kam der gute Schmier von Destruction auf die Bühne und sang den Song mit Jeff im Duett. Ein tolles Ende einer Hammershow. Nach diesen zwei hervorragenden Shows hätten eigentlich Testament mit ihrem Arsenal an Thrash Metal-Hits die nun perfekt aufgeheizte Halle final zum Kochen bringen müssen. Doch die Bay Area-Legende vermochte leider nicht an die Intensität der beiden Vorgänger anzuknüpfen. Dies hatte mehrere Gründe. Zwar war die Bühne nun fast doppelt so gross und mit schönem Backdrop und viel Licht ausgestattet, dafür war der Sound plötzlich einiges schwächer als noch bei Death Angel und Annihilator. Zudem bot die Setlist eine sehr merkwürdige Auswahl aus dem riesigen Backkatalog. Unzählige alte Klassiker mussten in der Kiste bleiben (zum Beispiel „Disciples Of The Watch“, „Alone In The Dark“, „Trial By Fire“, „Burnt Offerings“, „3 Days In Darkness“ oder „The Haunting“ fehlten schmerzlich). Dafür brachte die Band Semi-Hits wie „Low“, „Eyes Of Wrath“ oder „Electric Crown“ und natürlich viele neue Stücke (wobei man anerkennen muss, dass „The Pale King“ und der Titelsong des neuen Albums echte Abrissbirnen sind). Am schlimmsten waren aber die ganzen Soloeinlagen, welche selbst eine Band wie Manowar blass aussehen liessen. Das obligatorische Gitarrensolo von Alex Skolnick (welcher ja auch wirklich ein Gott an der Gitarre ist) macht auf jeden Fall Sinn, aber danach folgten in kurzen Abständen tatsächlich auch noch ein Gitarrensolo von Eric Peterson (völlig überflüssig da er neben Skolnick wie ein Gitarrenschüler dasteht), ein Drumsolo von Gene Hoglan sowie ein Basssolo von Steve DiGiorgio. Allesamt Weltklasse-Musiker, aber 99% der Zuschauer standen gelangweilt da und hätten viel lieber einen der vermissten Klassiker abgefeiert. Mit dem finalen Trio „The New Order“, „Practice What You Preach“ und „Over The Wall“ konnte die Band zwar noch wieder Boden gutmachen, aber es wäre definitiv viel mehr drin gewesen für Testament heute Abend. Man kann nur hoffen, dass die Jungs in Zukunft ihre Soli wieder zuhause oder im Proberaum lassen und dafür die Meute wieder mehr mit ihrem klassischen Thrash Metal zum Headbangen bringen.

Photos: Michael Vaucher

Michael
About Michael Vaucher 12 Articles
Michael Vaucher schreibt seit 2011 für's TRACKS Magazin im Bereich HardRock/Heavy Metal. Zudem ist er der Gründer der Schweizer Metalband EMERALD, welche seit 1995 aktiv ist und bereits 7 Alben veröffentlichte.

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