STRAPPS
Bound For Glory – Complete Recordings 1976-1979
Angel Air / Cherry Red Records
Die Strapps wurden im Herbst 1974 von Schlagzeuger Mick Underwood (2024 verstorben) und dem australischen Sänger und Songwriter Ross Stagg gegründet. Mick Underwood hatte davor u.a. bei der Beat-Band Episode Six (Mit Ian Gillan und Roger Glover, beide später bei Deep Purple) und der kurzlebigen Prog-Band Quatermass (Eine LP in 1970) gespielt. Ross Stagg hatte 1974 die Single «I’ll Never Be A Star (But I Might)» veröffentlicht. Zum Duo gesellten sich Noel Scott (Keyboards) und Bassist Joe Read (Textones, The Call, Code Blue). Das selbstbetitelte Debüt, produziert von Ian Gillan, veröffentliche das Quartett 1976. Die Kritik war gespalten. Der Name (Abgeleitet vom spanischen Wort «Strappadoes», das eine Form von Folter und Praktik aus dem Bereich BDSM bezeichnet.) und die zum Teil anzüglichen, sexistischen Albumcover (vom Fotografen Mick Rock in Szene gesetzt) sorgten für Kontroversen. An einem Konzert tauchten sogar protestierende Feministinnen auf. Ihre Texte konnten aber auch Tiefgang haben und bedrückende Themen behandeln («Suicide»), Selbstzweifel (Violent Love / Secret Damage»), Ironie vermitteln («Rock Critic») oder Liebesschmerz («Pain Of Love») ausdrücken. Die Musik der Strapps klingt eigenwillig, eigenständig und zuweilen auch etwas pathetisch. Auf ihrem Debüt mischten sie Hardrock, Glamrock, Pomp-Rock mit NWOBM und einer Prise Funk («School Girl Funk») und Anleihen an Pink Floyd («Suicide»). Wahrscheinlich durch die Verbindung zu Ian Gillian konnten sie mit Deep Purple auf Tour gehen. Erfolge durfte die Band in Japan (Dort verkauften sie über 10000 Kopien) und Südamerika feiern, aber nicht in England. Bald folgte das zweite Werk «Secret Damage» (1977), das optisch weniger anzüglich daherkam. Musikalisch waren die sieben Songs ähnlich gelagert wie beim Vorgänger. Ausflüge in den Funk gab es keine mehr. Herausragend ist die längste Nummer «Violent Love / Secret Damage», in der die Strapps Elemente von Pink Floyd neben Led Zeppelin stellen. Die hymnisch-poppige Single «Child In The City» war in England ein kleiner Charts-Erfolg (unbestätigte Quelle) beschieden. Mehr Erfolg stellte sich wiederum in Japan ein. Dort wuchs ihre Gefolgschaft stetig. Aus diesem Grund, und auch, weil ihr UK-Label EMI sie fallenlies, veröffentliche die Band ihre beiden letzten Alben «Prisoner Of Love» (1978) und «Ball Of Fire» (1979) nur in Japan. «Prisoner Of Love» klingt insgesamt poppiger und enthält kleine Ausflüge in Richtung Soul, Disco, Boogie-Rock und den Einsatz von Bläsern und eines Sitars. Das letzte Album der Band, «Ball Of Fire», wurde unter dem Namen Ross Stagg & Strapps veröffentlicht. Auch wurde Noel Scott durch den Gitarristen Ray McRiner ersetzt. Die neun Songs klingen wieder härter. «Power In Her Soul» hat gar einen punkigen Anstrich! Erfolg bleibt leider bis zum Schluss aus. Als Mick Underwood ein Angebot von Ian Gillan annimmt, in seiner neu formierten Band Gillan zu spielen, löst sich die Band 1979 auf. Ross geht zurück nach Australien, wird n.a. Musik- und Kunst-Lehrer und spielt n.a in der Band Shooting School («You Won’t Listen», 1984). Die 4-CD-Box «Bound For Glory – Complete Recordings 1976-1979» enthält neben allen vier Alben auch das Live-Album «Live At The Rainbow», das 2005 veröffentlicht wurde. Neben tollen, kraftvollen Live-Interpretationen von Songs wie «Pain Of Love», «School Girl Funk», «Down To You» oder «I Wanna Know» enthält das Werk Non-Album-Tracks wie «Rikki», «Suffer» und «Rita B». «Rikki» ist eine wunderbar theatralische Nummer im Stile von Queen. Ja, die Strapps hätten mehr verdient gehabt.

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