REEF Revelation

REEF
Revelation
Ear/Phonag

Ganze 18 Jahre ist es her, seit mit «Gateway» das letzte Reef-Album erschienen ist – inklusive einer vorübergehenden Bandauflösung von 2003 bis 2009. So gesehen dauerte es seit der Reunion (mit Jesse Wood anstelle von Kenwyn House an der Gitarre) immer noch neun Jahre, bis sich die vier Engländer zu einem neuen Album aufrappeln konnten. Und um dieses richtig einzuordnen, ist ein Blick in die Vergangenheit nötig: Reef waren eine schwere Bluesrockband, die vor dickeieriger Männlichkeit nur so strotzte und der Welt so wunderbare Kracher wie «I Would Have Left You» (auf «Glow»), «Naked» (auf «Replenish») und «New Bird» (auf «Rides») geschenkt hat. Das ist lange her. Inzwischen sind die schmächtigen Zappeljungs zu richtigen Männern herangewachsen, aus dem Bassisten Jack Bessant ist sogar ein veritabler Waldschrat geworden.
Trotzdem muss ein erstes Album nach so langer Zeit natürlich mit einem fulminanten Auftakt beginnen: Der Albumtitel-gebende Opener rockt kräftig. Doch schon schnell entwickeln Reef einen musikalischen Kosmos, der sich anhört wie der allertiefste Süden der amerikanischen Südstaaten: Kirchentaugliche Gospel mit Halleluja-Chörli alternieren mit souligen Songs mit Sheryl Crow als Gastsängerin (woher hat Sheryl diese Pieps-Stimme?), hingebungsvolle Liebeslieder wechseln mit (dann doch noch) veritablen Bluesrock-Stücken. Und «Provide» könnte aus dem Soundtrack von «König der Löwen» stammen. Zusammengehalten wird diese Bandbreite von den aufs trefflichste kompakt harmonierenden Musikern und dem glasklar produzierten Sound. Und über allem thront immer noch Gary Stringers kratzige hohe Stimme, die mit den Jahren an Klasse und Variation erstaunlich zugelegt hat. Fazit: «Revelation» ist relativ weit weg von Alben wie «Glow», aber das liegt in der Natur des Älterwerdens und ist gut so. «Revelation» ist trotzdem ein starkes, erfreulich dichtes Album. So würden vielleicht Lynyrd Skynyrd tönen, würden sie sich heute gründen.

Christian Hug

Christian
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Seit den Sex Pistols «into music», seit 2001 freier Journalist und Buchautor. Jahrelange Mitarbeit im «Music Scene», «Toaster», TagesAnzeiger - Ernst», «Style» und andere. Kein MP3-Freund.

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