OLD MAN LIZARD True Misery

OLD MAN LIZARD
True Misery
Wasted State/All Noir

Zwei Alben lang waren die drei Engländer von Old Man Lizard jeweils tieftraurig, wenn sie zu ihren Instrumenten griffen und eine Art epischen Minimalstoner mit Blues-Touch spielten. Aber im Vergleich zum neuen Album war das bloss ein heiteres Vorgeplänkel, denn mit «True Misery» wühlen sich die Jungs so richtig tief in die übelsten Verzweiflungen und Weltschmerzen. Der Albumtitel ist Programm, das Cover auch: Pfeil im Arsch und Tränen in den Augen. Wobei Sänger und Gitarrero Jack Newnham nicht depressiv vor sich hin mümmelt, sondern noch dramatischer als auf den Vorgängeralben seinen Schmerz hinausschreit, passend untermalt von musikalischer Hochdramatik, die meist ohne Tempo auskommt, sondern im Gegenteil in ihrer Langsamkeit immer wieder bis zum kompletten Unterbruch zerfällt. Die kurzen stehenden Stoner-Passagen helfen beim Hören lediglich, Luft zu holen und wieder einzutauchen in die spektakuläre Zelebrierung des Weltschmerzes. Hin und wieder erinnern die Songs an eine Metal-Depro-Version von Pink Floyd. Nichts für sanfte Gemüter. Und für gleichgesinnte Gesellen: Nicht aus dem Fenster springen! Das Leben ist trotzdem schön!

Christian Hug

Christian
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Seit den Sex Pistols «into music», seit 2001 freier Journalist und Buchautor. Jahrelange Mitarbeit im «Music Scene», «Toaster», TagesAnzeiger - Ernst», «Style» und andere. Kein MP3-Freund.

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