MUSE Simulation Theory

MUSE
Simulation Theory
Warner

Nach drei (!) Konzeptalben in Folge gönnt sich das amerikanische Stadion-Trio wieder mal ein bisschen leichte Muse und widmet sich auf seinem achten Studioalbum Simulationen aller Art, inspiriert vor allem durch Science-fiction-Filme. Selbstverständlich beobachtet die Band dabei auch weiterhin ganz genau und kritisch die sozialen Umstände unserer Zeit und insbesondere von Amerika. Und natürlich sind auch die elf neuen Songs unverkennbare Muse-Songs, denn Muse ist eben Muse. Nur dass diesmal die Songs vergleichsweise simpel und kurz gehalten sind: Die ganz grossen Gesten fehlen, die Muse-typisch genialen Song-Aufbauten mit wechselnden Stimmungen und Atmosphären fehlen ebenfalls, epochal dramatische Songs wie «Uprising» aus dem Album «The Resistance» oder «Knights Of Cydonia» vom Album «Black Holes And Revelations» fehlen deshalb. Das ist schmerzlich. Der Song «Blokades» wäre ein guter Ansatz, aber der kommt erst als Nummer 9 und schafft es auch nicht zu richtiger Grösse. Aber wenn Muse das so will, dann wollen die das eben so. Immerhin klingt dafür «Propaganda» heiter nach «Kiss» von Prince. Im Nachhinein betrachtet war somit die Vorabsingle «Dig Down» eine klare Ansage für den Rest des Albums: «Dig Down» klang wie der Anfang eines guten Muse-Songs, entwickelte sich dann aber nicht weiter und blieb trotz fast vier Minuten Spielzeit irgendwie im ersten Songteil stecken. So geht es auf «Simulation Theory» das ganze Album lang.
Nun lassen wir uns aber von «Simulation Theory» nicht entmutigen. Weil wir wissen, dass Muse mühelos jederzeit wieder die ganz grossen Epen schaffen können, wenn sie wieder mal Lust darauf haben. Bis es soweit ist, ist «Simulation Theory», naja, ein angenehmer Trost.
Ziemlich unangenehm ist hingegen die Erscheinungsform des Albums beziehungsweise die Arten, wie es erhältlich ist: als «Standard-Album» mit 11 Songs, als «Deluxe-Album» mit 5 zusätzlichen Alternative-/Akustik-Versionen und als «Super-Deluxe-Album» mit einer Bonus-CD mit 10 Alternative-/Akustik-/Remix-Versionen. Was bedeutet: Muse-Fans wollen die volle Ladung, Nicht-so-Muse-Fans genügt das reguläre Album, aber wer zum Kucker soll die halbe Zusatzladung kaufen? Aber das nur nebenbei.

Christian Hug

Christian
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Seit den Sex Pistols «into music», seit 2001 freier Journalist und Buchautor. Jahrelange Mitarbeit im «Music Scene», «Toaster», TagesAnzeiger - Ernst», «Style» und andere. Kein MP3-Freund.

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