MADRUGADA @ Komplex 457 – Zurich

MADRUGADA
Komplex 457
1. März 2019

Die Hiobsbotschaft traf 2007 die Madrugada-Fans direkt in die Herzen: Der Gitarrist und Gründungsmitglied Robert Burås verstarb im Sommer 2007 unerwartet und mitten in den Aufnahmen des Albums “Madrugada”. Die neu aufgenommene Platte wird 2008 noch veröffentlicht, daran können sich Fans klammern. Dann nehmen sich Madrugada eine Auszeit. Sie schieben später eine Neuauflage des Erstlings “Industrial Silence” nach und fügen einige unveröffentlichte Lieder hinzu. Dann bringen sie sich 2010 wieder ins Gespräch mit einer Best-Of. Doch die Band macht nichts Neues, sie hat sich aufgelöst und es scheint ein Traum zu sein, die Band je wieder Live zu sehen. Stimmgeber Sivert Høyem ist der einzige der Band, der weiterhin professionell Musik macht.

Doch 2018 erhellt die freudige Nachricht die Gemüter der Fans: 2019 tourt Madrugada mit ihrem 1999 erschienen, ersten Album “Industrial Silence” durch Europa. Dafür formieren sich Jon Lauvland Pettersen hinter dem Kit, Cato «Salsa» Thomassen und Christer Knutsen an Gitarren und Keyboards sowie Sivert Høyem als Frontmann. Am 1. März 2019 spielen sie live im Komplex 457 in Zürich. und Tracks ist vor Ort. Das Konzert ist ausverkauft, die Halle prall gefüllt mit sehnsüchtig wartenden Fans. Es ist heiss und eng. Die Lichter gehen Punkt 20:15 Uhr aus, die Menge jubelt, als die fünf Norweger auf die Bühne treten. Diese typischen zwei Schläge aufs Snare ertönen, und alle wissen: Das ist der Song “Vocal”. Das Konzert kommt gut. Das Publikum jubelt erneut um anschliessend ganz still zu werden. Die wunderschöne Stimme von Høyem füllt das Konzertlokal innert Sekunden mit einer unglaublichen Wärme.

Die Zuhörer werden vor Ergriffenheit bis zur Hühnerhaut durchgeschüttelt. Die kräftige und makellose Stimme und die verzerrten Gitarren-Töne dringen bis ins Knochenmark, und das absolut Beste ist: Bei jedem neuen Stück beginnt die Ergriffenheit von Vorne! Madrugada bringen die Klassiker des blauen Albums. Der Körper schwenkt im Takt mit, das Herz öffnet sich und die Musik fliesst durch den Hörer hindurch. Trotz pumpenvollem Lokal scheint die Zeit stillzustehen. Jeder versinkt in der Musik, in den sauber gespielten Tönen. Doch das Publikum versinkt nicht nur, es scheint in Ekstase zu sein. Beides gleichzeitig? Geht eigentlich nicht. Doch Madrugada kann das. Und umhüllt beides in heftiger Intensität.

Der ganze Abend erscheint in einer anderen Dimension stattzufinden. Die Band wird beleuchtet von blauen und roten Schweinwerfern, der Background ist dezent gehalten. Mitschnitte aus Musikvideos, einfarbige Beweg-Bilder oder Bilder vom “Industrial Silence”-Cover schimmern über die Leinwand. Mehr brauchts auch nicht. Die Männer scheinen genauso versunken zu sein wie ihr Publikum.

1.3.2019 photos by Matthias Thümmler

Aline
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Die Helden: Lemmy Kilmister, Jimi Hendrix, Jim Morrison.

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