LUKE GASSER The Judas Tree

LUKE GASSER
The Judas Tree
Blue Rose/Musikvertrieb

Es gab mal eine Zeit, als die Netz-Gratismentalität mit Spotify grad zusätzlich befeuert wurde, da beschränkte sich Obwaldens Stiefelrocker Nummer eins auf seine plastische Kunst und liess das Rocken sein. «Mit Musig verdiensch kei Gäld me», sagte er ganz nüchtern und wahr, drum könne man das auch gleich bleiben lassen. Glücklicherweise hat er sich da in sich selber getäuscht, denn eine Katze wie er kann das Mausen nicht lassen. Zumal er mit seiner Filmerei und seinen Büchern über Gott und Niklaus von Flüe irgendwie auch zu Nazareth fand, also der Band, und die sind zwar wirklich sowas von vorgestern und deren Sänger stimmlich ziemlich am Ende, aber mit ihnen zu rocken, macht immer noch Spass, auch dem Luke Gasser, der mit ihnen auf einer kleinen Tournee war – und nebenbei irgendwie einen Narren gefressen hat an Doro Pesch, weiss der Herrgott warum. Auf alle Fälle: Luke hat trotz Spotify und Gratismentalität wieder zu rocken angefangen, und das freut uns Musikfreunde, weil einer, der «Sympathy For The Devil» so geil ins Dialekt übersetzen kann und den «Schacher Seppli» so formidabel in den Rock transferieren kann, der sollte nicht aufhören, Musik zu machen. Drum sind wir froh, hat sich Luke den ewig gültigen Leitsatz «Keep on rocking» zu Herzen genommen, er beliefert uns seit Jahren im ziemlich regelmässigen Jahresabstand wieder mit bodenständigem Rock’n’Roll. «The Judas Tree» ist natürlich musikalisch gesehen nichts Neues, aber das erwarten wir von Luke auch nicht, weil er seit jeher auf den «good ol’ Rock’n’Roll», den bodenständigen Geradeaus-Rock, schwört. Mit kratziger Stimme und Schrammelsolos auf der Gitarre. Spielfreude ist hier wichtiger als Innovation, und wer das so überzeugt und fröhlich zustande bringt wie Luke, dem hören wir gerne zu. Natürlich sind auch einige Balladen/ruhigere Songs drunter, die hören wir uns auch gerne an. Und das einzige Cover ist «Little Lover» als Hommage an AC/DC. Da schliesst sich ja der Kreis wieder. 18 Songs, Vinyl als Doppelalbum.
Einziger Schwachpunkt: Luke ist nicht der geborene Englisch-Sprecher. Das klingt dann manchmal etwas haarsträubend (und wir sagen jetzt nicht, dass wir bei Till Lindemann darüber hinweggehört haben, schlechtes Englisch bleibt immer schlechtes Englisch). Immerhin: Auf seiner Internetseite hat Luke eine sinngemässe Übersetzung seiner englischen Texte ins Dialekt zum Nachlesen reingestellt. Als nächstes kommt dann wieder ein Film von ihm.

Christian Hug

Christian
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Seit den Sex Pistols «into music», seit 2001 freier Journalist und Buchautor. Jahrelange Mitarbeit im «Music Scene», «Toaster», TagesAnzeiger - Ernst», «Style» und andere. Kein MP3-Freund.

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