JUDAS PRIEST – Firepower

JUDAS PRIEST
Firepower
Sony Music
 
lg. Die Meldung vom Februar, dass Glen Tipton aufgrund seiner Parkinson-Erkrankung nicht mehr mit Judas Priest auf der Bühne stehen wird (und durch Produzent Andy Sneap für Live-Aktivitäten ersetzt wird), mag geschockt haben, doch auch an den grössten Metal-Legenden nagt der Zahn der Zeit. Nichtdestotrotz sorgt das neue, achtzehnte und schlicht “Firepower” benannte Album der stilprägenden britischen Heavy Metal Band für ein regelrechtes Ausrufezeichen. Alle Alben mit Rob Halford an den Vocals seit der Reunion 2003 waren nicht überzeugend (von den beiden Alben davor ganz zu schweigen), weshalb “Firepower” überraschen mag – allerdings kam dieses Album irgendwie mit Ansage, denn für den Vorgänger “Redeemer of Souls” haben sich Judas Priest den Allerwertesten abgetourt und mit Richie Faulkner als Nachfolger von K.K. Downing neue Energie verpasst bekommen und wieder Spass an der Sache gehabt. So geht es mit einem fetten Riff sofort und ohne Intro mit dem Titeltrack los, der klassisch, aber zugleich sehr fett herüberkommt. Das bereits bekannte “Lightning Strikes” ist ebenfalls ein Kracher erster Güte geworden mit einem sehr überzeugenden Rob Halford am Gesang, der vollends (wie auf dem gesamtem Album) auf seine für frühere Tage typischen hohen Screams verzichtet. Die folgenden “Evil Never Dies” und das etwas gemächlichere “Never The Heroes” können das Level der ersten beiden Songs nicht genau halten, sind aber nach wie vor gutklassig und erfreuen mit hervorragenden Gesangs-Linien. Richtig gut wird es im weiteren Verlauf des Albums mit “Flame Thrower” (ein Song, der auch auf dem grossartigen “Turbo” (1986) hätte stehen können), dem Midtempo-Knaller “Spectre”, das Priest-typische und recht harte “Traitors Gate” sowie der Rocker “No Surrender”. Auch die Abschlussballade “Sea Of Red” ist wirklich gut und tiefgreifend geworden. Hoch anzurechnen ist es Judas Priest, dass sie es geschafft haben, mit „Firepower“ das beste Album seit dem Überwerk “Painkiller” (1990) vom Stapel zu lassen. Leider fehlen etwas die Hits wie in den glorreichen 80er Jahren, doch das ist nichts als Jammern auf hohem Nivea. Judas Priest haben es geschafft, die ihnen in letzter Zeit ein paar Nasenlängen vorauseilenden “neueren” Bands wie Ram und Portrait einzuholen und unterstreichen ganz eindeutig, dass der beste Heavy Metal klassizistischer Prägung im Jahre 2018 in Birmingham zu suchen ist. Man darf sich auf die Tour – und auch da auf die neuen Songs – freuen! Am 26. Juni 2018 tritt die Legende um Rob Halbford und Ian Hill in der Samsung Hall in Zürich auf (mit Megadeth im Vorprogramm).
 
Photo: Justin Borucki
Laurent
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