IRON MAIDEN The Book Of Souls: Live Chapter

IRON MAIDEN
The Book Of Souls: Live Chapter
Warner Music

mv. Es ist schon fast zur Tradition geworden, dass Iron Maiden nach jeder grossen Welttournee ein dazugehöriges Livedokument veröffentlichen. Aber ganz ehrlich, diese Livealben sind bei Iron Maiden nicht nur wegen der tollen Aufmachung weit von Geldmacherei entfernt sondern befriedigen ganz klar die wirklich grosse Nachfrage der immer grösser werdenden Fanbase. Denn dies ist so sicher wie das Amen in der Kirche: echte Maiden-Fans wären enttäuscht, wenn mal von einer Tournee keine solche Erinnerung erscheinen würde (welcher Maiden-Maniac vermisst bis heute nicht ein qualitativ starkes Livedokument von der World Piece Tour 1983 oder der Somewhere On Tour 1986). Somit ist auch „The Book Of Souls: Live Chapter“ in erster Linie ein tolles Weihnachtsgeschenk an alle Maiden-Jünger weltweit. Denn die „The Book Of Souls“-Mammuttournee 2016/2017 führte Steve Harris und seine Mannen mal wieder mehrfach rund um den ganzen Erdball (in 39 Länder auf sechs Kontinenten um genau zu sein). Ca. 2 Millionen Fans besuchten diese Tour und zeigten der Welt, wie bedeutend und gross die eisernen Jungfrauen auch über 40 Jahre nach ihrer Gründung immer noch sind. Für dieses neue Livealbum hat sich die Band entschieden, kein gesamtes Konzert zu verwenden sondern für jedes Stück ein anderes Konzert zu berücksichtigen. Es muss eine Riesenarbeit gewesen sein, die hunderten an Aufnahmen zu sichten und durchzuhören. Es ist aber echt gelungen, trotzdem während der ganzen Doppel-CD eine tolle Live-Atmosphäre zu bewahren. Und da Iron Maiden eine der wenigen „alten“ Bands sind, die nicht nur ihre Klassiker spielen sondern das Set auch immer mit vielen neuen Stücken lebendig halten, ist auch jedes Live-Album von der Tracklist her völlig verschieden. Diesmal wurden sogar ganze 6 Stücke vom aktuellen Studioalbum „Book Of Souls“ gespielt und verwendet. Los geht die Reise in Sydney, Australien, mit „If Eternity Should Fail”, welches schon auf dem Studioalbum zu den grossen Highlights zählte. „Speed Of Light” führt uns danach nach Cape Town in Südafrika, bevor es mit dem Uralt-Klassiker „Wrathchild“ in den Norden nach Dublin, Irland, weitergeht. Mit „Children Of The Damned“ folgt einer der besten Maiden-Songs überhaupt, der Klassiker aus dem Jahre 1982 wird hier mit einer genialen Aufnahme aus Montreal, Kanada, zelebriert. Es fällt auf, dass die Fans bei den neuen Songs fast genau so steil gehen wie bei den Klassikern, was doch etwas erstaunlich ist. So geht die Band danach selbstbewusst mit den neuen Songs „Death Or Glory“ und „The Red And The Black“ weiter nach Polen und Japan. Zum Abschluss der ersten CD folgen dann noch die Fan-Lieblinge „The Trooper“ (das Publikum geht in El Salvador ab wie eine Rakete) und „Powerslave“ (aus Italien). Das tolle an diesem Album ist auch, dass Iron Maiden endlich mal auf die Dienste von Produzent Kevin Shirley verzichtet haben und mit Tony Newton einen weitaus fähigeren Mann neben Steve Harris an die Regler setzten. Somit hat dieses Livealbum tatsächlich viel den besseren Sound als all die letzten Studioalben zusammen. Disc Nummer 2 beginnt im heimischen England mit “The Great Unknown” (Newcastle) und “The Book Of Souls” (Donington). Gerade der Titeltrack zeigt in dieser Gänsehaut-Liveversion, wie stark das letzte Studioalbum von Maiden wirklich ausgefallen ist. Für „Fear Of The Dark“ reisen wir nach Fortaleza, Brasilien, wo die Fans wunderbar laut und enthusiastisch sind, wie auch gleich im Anschluss bei „Iron Maiden“ in Buenos Aires, Argentinien. Zum grossen Finale gibt’s als Zugabe das obligatorische „The Number Of The Beast” (aus Wacken in Deutschland), das emotionale “Blood Brothers“ (Donington) und die melodische Adrian Smith-Perle „Wasted Years“ (aus Rio de Janeiro). Auch wenn Bruce Dickinson nicht mehr so perfekt hoch singen kann wie vor 30 Jahren und man sogar kleine Spielfehler hier und da belassen hat, das ganze Album versprüht eine Unmenge an Spielfreude und beweist einmal mehr, wie sehr sich Iron Maiden immer treu geblieben sind und somit nicht umsonst eine Art Götterstatus in der Metalszene erlangt haben. Es gibt für den Fan als Auswahl die normale Doppel-CD, die DeluxeDoppel-CD mit Buch oder das schöne schwarze 3-fach Vinyl zu erstehen. Zudem natürlich die digitale Highend-Version und den Download des Films, welcher sehr fanfreundlich bereits gratis als Stream erhältlich war. Viel mehr Maiden geht nicht und dieses Livealbum macht die Vorfreude auf die „Legacy Of The Beast“-Tour 2018 noch grösser als sie sonst schon ist. Up The Irons!

Michael
About Michael Vaucher 12 Articles
Michael Vaucher schreibt seit 2011 für's TRACKS Magazin im Bereich HardRock/Heavy Metal. Zudem ist er der Gründer der Schweizer Metalband EMERALD, welche seit 1995 aktiv ist und bereits 7 Alben veröffentlichte.