IRON MAIDEN @ Geneva Arena

„Scream For Me Switzerland !!“

Iron Maiden – Legacy Of The Beast Tour 2018
Support: Killswitch Engage
26.06.2018, Geneva Arena

Die amerikanische Metalcore-Institution Killswitch Engage darf Iron Maiden auf ihrer diesjährigen Europatournee supporten. Was musikalisch gesehen eigentlich nicht so toll zusammen passt, macht aus einem anderen Blickwinkel her betrachtet schon Sinn. Denn so können die vor allem jungen Metalcore-Anhänger die britische Metallegende Iron Maiden für sich entdecken, welche wiederum so eine weitere Generation Fans für sich gewinnen kann. Die Genfer Arena ist schon sehr gut gefüllt, als Frontmann Jesse Leach mit seiner Band die Bühne stürmt und brachial loslegt. Harte Riffs, viele groovige Parts und Gesang, welcher von growlen über screamen bis sehr melodiös alles abdeckt ist das Markenzeichen von Killswitch Engage. Mit sehr druckvollem Sound überzeugen die Amis schnell nicht nur die ersten Reihen sondern gewinnen sicher einige Maiden-Fans für sich an diesem Abend. Für die meisten ist aber das Highlight die coole Dio-Coverversion „Holy Diver“ zum Abschluss des Konzerts.

Beim Headliner kocht die Stimmung dann bereits beim seit vielen Jahren gewohnten „Doctor Doctor“ von UFO, welches ab Band als Intro läuft. Als die Mannen um Mainman und Bassist Steve Harris nach dem vom 1985er-Livealbum „Live After Death“ bekannten zweiten Intro „Churchill’s Speech“ wie die Feuerwehr mit „Aces High“ in ihr Set einsteigen, gibt es in Genf kein Halten mehr.

Die Stimmung in der Arena ist absolut gigantisch, was die Musiker zu Höchstleistungen antreibt. Und die Band gibt nicht nur auf der Bühne sondern auch showmässig von Anfang an Vollgas. Über den Köpfen der Musiker erscheint direkt nach Showbeginn ein riesiges Spitfire-Kampfflugzeug aus dem 2. Weltkrieg und Bruce sprintet als Pilot gekleidet über die Bühne. An zweiter Stelle gibt’s bereits eine tolle Überraschung, denn der geniale „Piece Of Mind“-Opener „Where Eagles Dare“ war schon seit 13 Jahren nicht mehr im Set der eisernen Jungfrauen. Es ist klar, dass mit dem anschliessenden „2 Minutes To Midnight“ weiterhin die Hölle los ist vor der Bühne. Danach folgt eine längere und dafür einzige Ansage von Bruce Dickinson.

In französischer Sprache (gibt es eigentlich etwas, was dieser Mann nicht kann?) erklärt Bruce den Fans das Bühnenkonzept und der Hintergrund dieser Tour, welche das gleichnamige Computerspiel sowie die Comic-Hefte „Legacy Of The Beast“ promotet. Im Gegensatz zur extrem erfolgreichen „The Book Of Souls“-Tour bekommen die Fans dieses Jahr also sozusagen eine Greatest Hits-Setlist präsentiert. So jagt im Verlaufe des Abends ein Highlight das nächste und es werden so einige Songs gespielt, welche seit vielen Jahren nicht mehr im Set waren (zum Beispiel „Revelations“ oder „Flight Of Icarus“, welches sogar zum ersten Mal seit 1986 wieder live gespielt wird). Und auch die bei vielen unbeliebte Blaze Bayley-Phase wird berücksichtigt, wobei „The Clansman“ (von „Virtual XI“) und „Sign Of The Cross“ (von „The X-Factor“) mit Bruce am Gesang exzellent funktionieren und sich überhaupt nicht hinter „The Wicker Man“ oder „For The Greater Good Of God“ (dem einzigen Song aus den letzten paar Studioalben) verstecken müssen. Insgesamt werden ganze 16 Songs gespielt, wobei als kleiner Wehrmutstropfen jetzt mal erwähnt werden muss, dass wie schon auf den vielen Tourneen davor einmal mehr das grandiose „Somewhere In Time“-Album von 1986 total vernachlässigt und diesmal leider sogar komplett ausgeklammert wird.

An den unglaublich euphorischen Fan-Reaktionen merkt man wiederum, warum die Band fast zu Tode gespielte Klassiker wie „The Trooper“ (bei welchem sich Bruce ein Schwertkampf liefert mit Eddie), „The Number Of The Beast“, „Run To The Hills“ oder „Fear Of The Dark“ (das Publikum ist hier lauter als die Band!) nicht aus dem Set streichen kann (oder will). Die enorme Spielfreude aller Musiker macht jeden Song noch stärker. So sprinten vor allem Bruce und Steve dauernd auf der riesigen Bühne hin- und her während Dave Murray und Adrian Smith mit ihren blitzschnellen Leads und Soli begeistern. Janick Gers turnt dafür wie immer etwas gar viel herum und Nicko McBrain ist hinter seinem Berg von Schlagzeug leider kaum zu sehen, spielt dafür genial wie eh und je und grinst regelmässig über die grossen Videoscreens links und rechts der Bühne. Die Show zur Musik beginnt wie erwähnt mit dem 2. Weltkrieg, danach geht es ins schottische Mittelalter, in eine gigantische Kathedrale und später gar in die Hölle, wo ein riesiger Eddie als Teufelsbestie wartet. Dazu gibt es viel Feuer, perfekte Lightshow und Feuerwerk.

Nach drei Zugaben (bei welchen zum Glück der vermutlich beste Iron Maiden-Song überhaupt, „Hallowed Be Thy Name“, nach den rechtlichen Schwierigkeiten im letzten Jahr nun wieder gespielt werden darf) werden die Fans mit dem obligatorischen „Always Look On The Bright Side Of Life“ von Monty Python mit glücklichem Grinsen im Gesicht aus der vor Hitze fast glühenden Halle in die Nacht entlassen. Bis zum nächsten Mal, wenn es wieder heisst: „Scream For Me Switzerland !!“

Text: Michael Vaucher

Photos: Sonja Vaucher

 

Michael
About Michael Vaucher 52 Articles
Michael Vaucher schreibt seit 2011 für's TRACKS Magazin im Bereich HardRock/Heavy Metal. Zudem ist er der Gründer der Schweizer Metalband EMERALD, welche seit 1995 aktiv ist und bereits 7 Alben veröffentlichte.

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