Die schweiz-australische Band Silverlord (ehemals Poor Little Things) offeriert auf ihrem Debüt eine wunderbare Breitseite Old-School-Metal. Im Interview spricht Sängerin Martina Jackson über Klischees, Frauen im Metal, den Namenswechsel und ihre Vorbilder.
Tracks: Was gibt es über den Werdegang von Martina Jackson und Dave Talon zu wissen und wieso habt ihr euch von Poor Little Things in Silverlord unbenannt?
Martina Jackson: Wir haben als P.L.T. eine EP, zwei Alben und eine Single veröffentlicht. Unser Ziel war es, die Ära des gitarrenlastigen Pop-Rock der 70er und 80er Jahre zu feiern und es ist ganz gut angekommen bei Musikfans. Es waren ein paar sehr erfüllende Jahre, der Reiz was Neues zu machen war schon spürbar. Das Beste an der Kunst ist, dass sie ein Eigenleben entwickelt. Wir freuen uns, dass P.L.T. immer noch entdeckt wird, und wer weiss, vielleicht packt uns ja wieder die Lust, in dieses Genre zurückzukehren? Wir lieben alle Arten von Hard Rock. Dave spielt seit Mitte der 80er Jahre in Bands – Metal, Punk, Stoner, Hard Rock – er hat alles gespielt und liebt es. Als er mit dem Konzept eines Old-School-Metal-Albums mit frischen Elementen und etwas Originalität auf mich zukam, musste ich nicht lange überzeugt werden. Ich bin ausserdem ein Fan vieler gitarrenbasierter Musikstile.
Tracks: Euer Debüt als Silverlord klingt härter als eure 3 Alben als Poor Little Things. Wieso? In Songs wie «United By Fire» oder «Crown’s Defender» höre ich Judas Priest heraus. War diese Band auch eine Inspiration für euer neues Werk?
Martina Jackson: Judas Priest haben Daves Songwriting seit den 80ern stark beeinflusst. Besonders ihre frühen 80er-Jahre-Phasen haben ihn begeistert, als sie ihren Sound vereinfachten und sich auf das Wesentliche konzentrierten – eine geradlinige, kraftvolle Musik. Ich bin ebenfalls ein großer Fan und habe sie schon oft live gesehen. Rob Halford und King Diamond haben meinen Gesangsstil auf diesem Album definitiv beeinflusst.
Tracks: Was kannst du mir über die Entstehung der Instrumentalnummer «Return Of The Silverlord» erzählen? Wieso habt ihr sie an den Schluss eures Debüts gestellt?
Martina Jackson: Dave hat mit The Marlboro Men mehrere rein instrumentale Alben veröffentlicht. Als wir mit der Arbeit an diesem Album begannen, spielten wir mit dem Gedanken, das Ganze wie ein großes Musikstück mit instrumentalen Zwischenspielen zu verbinden. Dieses Konzept verwarfen wir jedoch, aber einige Instrumentalstücke blieben erhalten, und da uns diese beiden gefielen, blieben sie dabei. Die ersten anderthalb Minuten des Albums sind instrumental. Der erste Titel, „Read The Skies“, ist kein typisch arrangiertes Lied. Wir dachten, wir würden das Ganze mit einem Instrumentalstück einrahmen. Es ist auch eine Hommage an Daves Vergangenheit.
Tracks: Hardrock / Heavy Metal ist imagemässig wie auch musikalisch von Männern bestimmt. Wie könnte / würde female Hardrock / Metal aussehen?
Martina Jackson: Scheint sich diese Dominanz etwa zu ändern? Schaut man sich in den sozialen Medien oder auf YouTube um, sieht man viele reine Frauenbands, Sängerinnen und Gitarristinnen, die ihr Können auf der Gitarre unter Beweis stellen. Castle Rat oder The Burning Witches zum Beispiel – sie verfolgen zwar ganz unterschiedliche Ansätze, zeigen aber beide gut, wie die Zukunft aussehen könnte.
Tracks: Wie fühlst du dich als Frau in einer Männerdomäne?
Martina Jackson: Ich denke Selbstvertrauen in deine Fähigkeiten und gegenseitiger respektvoller Austausch bringt uns zu einem Ergebnis. Die Heavy-Metal-Szene lebt von Attitude und Power das verbindet uns alle – es ist eine Herzenssache – und die Frauen…kick ass … Lzzy Hale (Halestorm) hat mal gesagt: «What Do We Teach Our Men About Being A Woman In Rock? Nothing Just Listen.»
Tracks: Hard Rock/Metal ist stark von Klischees geprägt. Vermeidet ihr sie oder nutzt ihr sie bewusst?
Martina Jackson: Mit dieser Veröffentlichung haben wir versucht, eine ordentliche Portion Klischees mit einem frischen Ansatz und einer gehörigen Portion Originalität zu verbinden. Ich denke, das ist uns ganz gut gelungen. Unter anderem haben wir uns darauf konzentriert, originelle Riffs im klassischen Stil zu kreieren. Rein rechnerisch gibt es nur eine begrenzte Anzahl an Notenkombinationen, daher ist in über 70 Jahren Rock’n’Roll so ziemlich alles schon mal dagewesen. Weicht man zu weit von der Formel ab, klingt es einfach nur seltsam. Der Grund, warum die gleichen alten Akkordfolgen Jahr für Jahr wieder auftauchen, ist einfach: sie tönen einfach gut. Trotzdem denken wir, dass wir mit den Riffs auf diesem Album eine gute Balance zwischen Vertrautheit und Originalität gefunden haben. Wir hatten uns entschlossen, dem Gesang frische Elemente zu verleihen. Wir wollen den Hörern das bieten, was sie von einer klassischen Performance erwarten, aber noch einen Schritt weiter gehen. Obwohl ich Metal-Fan bin, ist dies mein erstes Metal-Album. Ich habe verstanden, was nötig war, um im Rahmen des Genres zu bleiben, zögerte aber nicht, die Grenzen zu erweitern, wenn sich die Gelegenheit bot. Ein gutes Beispiel dafür ist mein Gesang im Outro von «Backs Against The Wall». Ich finde die Reise eines Projekts immer wieder spannend man überrascht sich selber, was alles möglich ist.
Tracks: Welche Funktion haben die Texte in euren Songs?
Martina Jackson: Die Texte sind uns wichtig. Daves Ziel ist es, beim Hörer lebhafte Bilder entstehen zu lassen. Einige der behandelten Themen sind: die verheerende Kraft von Buschbränden, die Treue von Old-School-Metal-Fans, die Flucht aus einem Schlachtfeld, der Einfluss des Feuers auf die Menschheit und die Folgen von Loyalitätsbruch. Die Texte findet ihr auf unserer Bandcamp-Seite. Schaut doch mal rein!
Tracks: Wieso Silverlord und nicht Silverlady?
Martina Jackson: Lord klingt einfach besser. (lacht)
Tracks: Welche Sänger / Sängerinnen haben dich beeinflusst?
Martina Jackson: Da gibt es so viele. Zum Beispiel Ann Wilson (Heart), Kate Bush, Pat Benetar, Lee Aaron, Rob Halford (Judas Priest), Dio (Elf, Rainbow, Black Sabbath) oder Bruce Dickinson (Iron Maiden) . Mit sechzehn habe ich in einer Schülerband gesungen da war Janis Joplin, Gwen Stefani und Ian Gillan (Deep Purple) in Repetition. Fortlaufend kommen neue Stimmen dazu. Vor einigen Jahren war ich an einem Juliette and The Licks Konzert. Ihre Attitude hat mich begeistert und mich wieder zum Singen motiviert.
Tracks: In schwierigen Zeiten wie diesen: Wie kann Rockmusik zu einer besseren Welt beitragen?
Martina Jackson: Für uns geht es um «Escapism». Nichts Politisches oder Spaltendes. Es gibt nichts Schöneres, als zu hören, dass unsere Musik das Leben der Menschen positiv beeinflusst. Ein Zitat das mich begleitet: Musik berührt uns emotional wo Worte allein nicht ausreichen.
Poor Little Things:
-Same (EP, 2018)
– Disco’s Burning (2019)
-Deal Breaker (2021)
https://poorlittlethings.bandcamp.com/
Silverlord:
-Same (2026)







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