Hugs Wegweiser durch die Populär-Galaxie: #8 – Finger weg von Iggy!

Finger weg
von Iggy!

Es macht nichts, wenn Sie den Namen Iggy Azalea noch nie gehört haben. Iggy Azalea ist eine 24-jährige Rapperin aus Australien, und ihre Art, Worte aneinanderzureihen, zeugt nicht gerade von einem hohen Kunstverständnis.
In einem Interview mit dem Hip-Hop-Radio Hot 97 hat sich Iggy Azalea beschwert, dass sie an Konzerten von aufdringlichen Fans befingert werde. Also von gierigen Händen penetrant betatscht, und wahrscheinlich meinte sie die Zone zwischen ihren Beinen, weil es physiognomisch gesehen weiter oben eigentlich nichts zu begrabschen gibt. Und ebenfalls wahrscheinlich meinte sie eher betatschen statt «fingern», weil das Fingerspiel in der unteren Zone ja eigentlich nur ohne Hose und Höschen funktioniert, und die trägt Iggy Azalea auf der Bühne ja immer.
Auf alle Fälle bezeichnete Iggy Azalea das Fingern in korrektem Opfer-Psychologendeutsch als «Grenzverletzung», sie sagte «ich mag das nicht» und dass sie ab sofort auf das Crowdsurfing verzichten werde.
Crowdsurfing? Iggy Azalea schmeisst sich in die Menge und lässt sich von ihr auf Händen tragen? Das ist eigenartig. Weil wenn man durch die Crowd surft, muss man sich eigentlich nicht wundern, wenn da viele Hände im Spiel sind. Und das bei einem Publikum, das sich in erster Linie über den grössten Schwanz und die dicksten Möpse definiert.
Aber hey: Als moderner, gleichgestellter, politisch korrekter, anständiger, Sophie-Zelmani-hörender, pferdeschwanztragender Mann weiss ich natürlich, dass sich unaufgefordertes Fingern grundsätzlich nicht gehört, nicht mal beim Crowdsurfing. Darum lasse ich sogar beim Sophie-Hunger-Konzert grundsätzlich immer die Hände unten.
Aber zurück zu Iggy Azalea. In besagtem Radiointerview sagte sie auch: «Warum würde ich jemals wollen, dass mich ein Fremder fingert?» Ja, warum eigentlich? Vielleicht kommen Fremde auf diese Idee, weil sie sich auf Youtube die Videoclips von Iggy Azalea anschauen. In «Work» zum Beispiel posiert sie in Unterwäsche und legt einen astreinen Lapdance hin, in dem sie sowohl der Kamera als auch dem Mann auf dem Stuhl ihren aufreizend inszenierten Arsch twerkenderweise förmlich in die Linse beziehungsweise ins Gesicht drückt (Twerking ist übrigens nichts anderes als Arschschütteln). In «Pussy» (das ist eine fahrlässige Bezeichnung für denjenigen Körperteil, den Iggy Azalea nicht mehr befingert haben möchte) rappt sie: «Open ya mouth / taste the rainbow / taste the skittles». Schweinepeter seid ihr alle, wenn ihr jetzt denkt, das sei eine Aufforderung, nicht mit dem Finger, sondern mit dem Mund ranzugehen! Oder habe ich das etwas falsch verstanden?
Iggy Azalea also. Sie müssen sich den Namen nicht merken, wenn Sie ein Mann sind. Weil Iggy Azalea in besagtem Radiointerview auch erklärte, dass der Grossteil der Fingerer Frauen sind.
Im übrigen bin ich der Ansicht, dass Bono Vox verboten werden sollte.

Tracks 4 14 (Juli/August 2014)

Christian
About Christian Hug 151 Articles
Seit den Sex Pistols «into music», seit 2001 freier Journalist und Buchautor. Jahrelange Mitarbeit im «Music Scene», «Toaster», TagesAnzeiger - Ernst», «Style» und andere. Kein MP3-Freund.

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