Hugs Wegweiser durch die Populär-Galaxie: #51 – Jetzt aber hü!

Slipknot - Sonisphere 2011

Jetzt
aber hü!

Ein paar Nachbetrachtungen zum Konzert von Slipknot am 12. Februar im Hallenstadion Züri. Wobei zuerst zum Hallenstadion: Wie viele Leute passen da rein? 20’000? 30’000? Ich bin schlecht im Schätzen. Aber ich weiss, dass die meisten von weit her mit dem Auto kommen, und dass es im Parkhaus nur eine einzige (in arabischen Ziffern: 1) Vorkasse gibt. Soviel zum königlichen Thema «Der Kunde kann warten». Und dann halt wie immer die ewige Warterei am Eingang («Tragen Sie Schusswaffen oder Sprenggürtel auf sich?») und schliesslich der enge Eingang in die Halle, ich nenne ihn den Schaf-Gang.

Aber dann endlich Slipknot. Juhee. Heirassa! Jetzt gibt’s Prügel!! Slipknot preschen los. Der Sound ist scheisse, wie immer im Hallenstadion, man fragt sich ebenfalls wie immer, warum man sich das immer wieder antut. Kaum 100 Dezibel und das noch in Brei. Aber hey, es sind Slipknot. Nach ein paar Songs spricht Corey zum Publikum: «You Motherfuckers feeling good out there?» Ja, wir Motherfuckers fühlen uns gut. Rhetorische Frage. Dann ein weiterer Song, und die Band verschwindet hinter der Bühne. Für etwa eine Minute. Dann wieder ein Song, wieder Pause. Nun ja. Vielleicht hat ja einer Diarrhö oder so. Dann wieder Corey: «You Motherfuckers feeling good out there?» Ja, wir feelen good hier draussen, Motherfucker. Dann wieder Prügel. Dann Corey: Wer von euch Motherfuckers sieht Slipknot zum ersten Mal? Motherfucking hands up! Und zum zweiten Mal? Und wer hat uns schon mehrfach gesehen? Nein, ja und ja, Motherfucker.

Irgendwann stimmt irgendwas nicht mehr. Die Band geht von der Bühne, kommt wieder, Corey spricht. Erst dann gibt’s Prügel. Ja, wir haben «Iowa» zu Hause. Ja, Corey, wir haben auch «We Are Not Your Kind». Und ja, Corey, wir haben sogar alle Slipknot-Alben. Fucking fist up for the fucking Slipknot family.

Das ist das Problem: Slipknot sind eine der wenigen Bands, die wirklich fähig sind, uns Metallköpfe mit Härte nicht nur zu unterhalten, sondern uns mit Heavy Metal niederzumachen, niederzuprügen bis zur Erschöpfung. Das ist schön. Wir wollen von dieser Musik fertiggemacht werden, zu Boden geprügelt bis zur Glückseligkeit. Erschöpft, erfüllt, satisfied. Aber wenn der Corey dauernd palavert, will kein rechtes Niedermachen aufkommen. Dafür sind dann die Redepausen einfach zu lange. Zweimal erzählt er uns, dass wir no idea haben, was es für die Band bedeutet, schon seit 20 Jahren Slipknot zu sein. Doch, haben wir, wir waren ja schliesslich dabei. Und ja, Corey, wir können «Iowa» mitsingen. Und «We Are Not Your Kind». Clap your fucking hands? Kann es sein, dass ein Slipknot-Konzert zu Ende ist und man hat eigentlich noch nicht genug?

Corey hat gesagt, Slipknot werde weitere fucking 20 Jahre weitermachen, fucking Fist in die Höhe! Aber wenn das Palaver und die Sandwichpausen so weitergehen, werden wir in 20 Jahren Polonaise tanzen zu Slipknot. Aber hey: Wir werden trotzdem wieder kommen.

Im Übrigen bin ich der Ansicht, dass Bono Vox verboten werden sollte.

Christian
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Seit den Sex Pistols «into music», seit 2001 freier Journalist und Buchautor. Jahrelange Mitarbeit im «Music Scene», «Toaster», TagesAnzeiger - Ernst», «Style» und andere. Kein MP3-Freund.

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