Hugs Wegweiser durch die Populär-Galaxie: #47 – Jenny from no Bock

Jenny from
no Bock

Manchmal erwischen einen die Umstände unvermittelt und auf dem falschen Fuss. Ist mir gerade eben wieder mal passiert. Mit dabei: Jennifer Rostock und ein Openair in Nidwalden.

Das kam so: Das Openair Muisiglanzgmeind zuhinterst im Engelbergertal war 2003 und 2005 ein gigantischer lokaler Erfolg – und danach tot. Aber 2020 wird eine neue Crew das dreitägige Festival wieder auferstehen lassen. Das freute mich natürlich, drum hab ichs grad in die Welt hinausposaunt. Und mein Freund Zero antwortete mit einem Live-Foto von Jennifer Rostock, die 2005 an der Muisiglanzgmeind aufgetreten war. «Unglaublich geile Kulisse hier in den Bergen», hatte sie geschwärmt.

Was mich zur Frage führte: Was macht eigentlich Jennifer Rostock? 2008 kam ja ihr erstes Album raus, das war dann nicht so gut, wie ihr Rock in den Nidwaldner Bergen drei Jahre zuvor versprochen hatte, drum hab ich sie aus den Augen verloren.

Nun klick ich mich also ein bisschen durch Youtube und hör mir ihre Lieder an, und ich so: Shiiiiit, das klingt ja wie Andrea Berg. Nächster Klick: Nein, wie Christina Aguilera auf deutsch. Nächster Klick: Nein, wie Beatrice Egli mit Elektrogitarre. Und dann: Wie Nicki Minajs Berliner Schwester. Herrje.

Jennifer/Andrea/Christina/Beatrice/Nicki ist von oben bis unten tätowiert. Kann sie machen, klar, aber mit Andrea-Berg-Liedern? Immerhin: In ihrem Song «Hengstin» von 2016 (ah, daran erinnerte ich mich), rappt sie (ja, sie rappt) halbbekleidet für das Selbstbewusstsein der Frauen: «Ich glaube nicht, dass mein Körper deine Sache ist.» Okay, kann sie auch machen, klar, auch wenn ich nicht annehme, dass sie ihre Titten nur zu ihrem eigenen Wohlgefallen dermassen hat aufpumpen lassen. Und ob da inzwischen nicht auch der eine und andere kleine Eingriff im Gesicht vorgenommen wurde, kann man angesichts aktueller Bilder zumindest vermuten.

Dann klick ich weiter zu ihrem Instagram-Account. In der Tagesstory oder wie das heisst erfahren wir per Filmli von Frau Rostock, dass sie sich eben ihre Unterlippenpiercings hat rausnehmen und die zurückgebliebenen klaffenden Löcher hat zunähen lassen. Da stiert Frau Rostock also halb benommen und noch lippenbetäubt in die Kamera, macht Geräusche wie «ccchhr» und «blllll» und sagt, dass sie grad nicht so gut reden kann. Schnitt. Jennifer liegt auf dem Sofa und macht wieder «ccchhr» und «blllll». Und dann noch etwa vier Schnitte mit denselben Geräuschen. Einmal schlürft sie laut und sabbernd irgendwas aus einem Löffel. Ach du heiliger Bling-Bann, dacht ich mir, was soll diese Scheisse? Muss man sich das als Follower wirklich antun? Was geht da im Kopf von Frau Rostock vor? Und wie viel Hirn hat ein Rostock-Follower? Die Welt ist im Arsch, ich habs schon immer gewusst. Und überhaupt: Wenn Jennifer rappt: «Ich glaube nicht, dass mein Körper deine Sache ist.» – warum zeigt sie dann der ganzen Welt ihre geschwollenen piercingfreien frischgenähten Unterlippen in Nahaufnahme?

In diesem Filmli lallt Jennifer übrigens, dass ihr der Arzt acht Tage Singverbot verordnet hat. Ich plädiere für 80 Jahre! Mindestens.

Im Übrigen bin ich der Ansicht, dass Bono Vox verboten werden sollte.

Christian
About Christian Hug 159 Articles
Seit den Sex Pistols «into music», seit 2001 freier Journalist und Buchautor. Jahrelange Mitarbeit im «Music Scene», «Toaster», TagesAnzeiger - Ernst», «Style» und andere. Kein MP3-Freund.

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