Hugs Wegweiser durch die Populär-Galaxie: #45 – Viel Blues für Phil

Viel Blues
für Phil

Letzthin war ich an einem Flohmarkt, da hat einer eine ganze Kiste voll Blues-CDs verkauft. Das ist ein absoluter Glücksfall, weil Blues findet man an Flohmis eigentlich nie. Ausser vielleicht Keb’ Mo’, aber bei dem sind wir uns ja nicht so sicher, ob das Blues ist. Also an diesem Flohmi hatte es Alben von Bluesern, deren Namen ich noch nie gehört habe. Für zwei Schtutz die CD. Und Engros-Preis. Herrlich. Hab ich mich natürlich grad grosszügig eingedeckt. Seither befriedige ich überaus angenehm meine unheilbare Sucht nach neuer Musik. Also nicht Neue Musik im Sinn der Klassik, sondern neu im Sinn von Entdeckung. Zum Beispiel «Let Me In» von Alex Rossi. Kein klingender Name und ein echt doofes Cover, Jahrgang 2008. Aber dann singt er sieben Minuten lang «Rock Me», und herrje, seither hab ich mir den Track schon sicher fünfzigmal reingezogen. Eine Hookline für die Götter, der Song rollt wie ein Maschineli ohne Stoppknopf, und dann sagt der coole Alex auch noch Sachen wie «Blues is the Healer» und «I want you let me come inside», da bin ich sowieso total dafür, weil ja somit auch klar ist, was er mit «Rock Me» meint. Kurz: Ich hab grad den Blues. Und das ist immer wieder herrlich. Und da trifft es sich wunderbar, dass unser allerbester Schweizer Blueser, nämlich der Philipp Fankhauser, zurzeit grad sein 30-Jahr-Jubiläum feiert beziehungsweise dass vor 30 Jahren sein erstes Album erschienen ist, das war «Blues For The Lady» mit der Checkerboard Blues Band. Seine Plattenfirma Sony feiert mit und macht alle seine 16 Alben zumindest digital verfügbar auf den gängigen elektronischen Musikplattformen. 16 Alben! Das zeugt von grosser Konstanz, von Durchhaltewillen und von Herzblut. Er ist der «Love Man Riding», er spielt «His Kind Of Blues». Respekt, Bro, wie der Hip-Hopper sagen würde. Oder wenn der Blueser all seine Liebe und seine Verehrung auf den Punkt bringt: Oh, yeah! (mit schlurfendem Nachhall: yeah yeah yeah). Danke, Philipp, für so viel Blues und so viele grossartige Songs. We love you too!

Eine kleine Anmerkung noch zu Sony: Ihr wisst das vielleicht nicht, aber ich bin immer noch eiserner Fan von real berührbarer Musik, sprich von physischen Tonträgern. Ich würde es deshalb schätzen, wenn zu Philipps Jubiläum die Alben auch als Vinyl und CD neu aufgelegt würden. Denn ausgerechnet «Blues For The Lady» fehlt mir noch in meiner Fankhauser-Sammlung.
So. Jetzt muss ich mir zum einundfünfzigsten Mal «Rock Me» von Alex Rossi reinziehn.

Im Übrigen bin ich der Ansicht, dass Bono Vox verboten werden sollte.

Christian
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Seit den Sex Pistols «into music», seit 2001 freier Journalist und Buchautor. Jahrelange Mitarbeit im «Music Scene», «Toaster», TagesAnzeiger - Ernst», «Style» und andere. Kein MP3-Freund.

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