Hugs Wegweiser durch die Populär-Galaxie: #40 – Stauen mit Slayer

Stauen
mit Slayer

Öffnen Sie bitte das Fenster Ihres Wohnzimmers, lehnen Sie sich so weit wie möglich heraus und brüllen Sie so laut Sie können in die Nachbarschaft hinaus: AC/DC. Also Eeysiiidiiisiiiiii. Klingt irgendwie nicht sexy. Nun versuchen Sie es mit Sistemofadaaaaaaaaaun. Geht irgendwie auch nicht. Aber schreien Sie mal Slayeeeeeeer! Das funktioniert herrlich! Slayer haben sich einen Bandnamen ausgedacht, den man brüllen kann wie ein Brunftschrei. Zum Beispiel am Abschiedskonzert von Slayer in der Halle 622 in Oerlikon, Tsüri: Da paffen Hunderte Raucher in der (Obacht: Ironie) gemütlichen Raucherlounge im Freien, und irgendwer brüllt Slayeeeeer – und umgehend erwidern mindestens 15 Gleichgesinnte den Ruf wie brünftige Hirsche im Wald. Wunderbar! Denn in diesem Brunftruf steckt alles, was einen echten Hartmetaller ausmacht: Liebe, Sehnsucht, Begeisterung.
Sie sehen: Ich war am Slayerkonzert. Das war eine würdige Abdankung. Danke, Slayer, für 37 Jahre schöne Musik! Danke, danke, danke.

Und danke, ihr Organisatoren in der Halle 622 in Oerlikon, Tsüri, dass ihr das möglich gemacht habt. Die Halle ist ganz in Ordnung, ganz neu, das muss sich noch ein bisschen eindampfen, das ist in Ordnung. Und der Sound war wirklich gut. Aber ich muss da was loswerden. Wir machen eine kleine Rechnung: Wenn in der Halle 3500 Leute sind und überdies alles Metaller, von denen mindestens 3499 rauchen, wem zum Teufel ist es in den Sinn gekommen, den Ausgang zur (Obacht: Ironie) gemütlichen Raucherlounge im Freien auf zwei Türen zu beschränken? Ich meine, echt jetzt, mein Wohnzimmerfenster ist breiter! Und wie kommt es, dass es für Nahrung nur einen Hamburger- und einen Fish-‘n’Chips-Wagen gibt und der Pizzawagen schon um halb 8 dichtmacht? Ich habs mit der Handy-Stoppuhr gemessen: Die Hamburgerdreher brauchten 5 Minuten und 38 Sekunden, um 10 Hamburger zu verkaufen. Bei 3500 Leuten. Man rechne. Und dann die einzige Toilette für 3500 Leute (okay: eine für Frauen, eine für Männer). Befinden sich irgendwo in einem schmalen Gang im Treppenhaus, das Gschtungg und Hin und Her war echt beschissen.

Natürlich, da können die Konzertveranstalter nix dafür. Aber mich irritiert, dass man Fussballstadien nach den neusten Erkenntnissen von Massenbewegungen raumgreifend um- und neubaut, und dann wird in der Halle 622 sowas Bescheuertes hingewurstelt. Ach ja: ein Wurststand in der (Obacht: Ironie) gemütlichen Raucherlounge im Freien hätte geholfen.
Aber gut jetzt. Slayer war toll. Die Vorband Anthrax auch und Obituary und Lamb of God auch. Tom Arraya sagte am Schluss: «Wir werden euch vermissen.» Wir euch auch!

Im Übrigen bin ich der Ansicht, dass Bono Vox verboten werden sollte.

Photos here…

Christian
About Christian Hug 137 Articles
Seit den Sex Pistols «into music», seit 2001 freier Journalist und Buchautor. Jahrelange Mitarbeit im «Music Scene», «Toaster», TagesAnzeiger - Ernst», «Style» und andere. Kein MP3-Freund.

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