Hugs Wegweiser durch die Populär-Galaxie: #20 – Yo! Yo! for Bobo

Yo! Yo!
for Bobo

Wir müssen endlich mal ein paar Vorurteile über DJ Bobo klären. Und wer jetzt meint, er (oder sie) könne die Nase rümpfen und aufhören zu lesen, der (oder die) soll gefälligst hierbleiben und weiterlesen.
Danke. Also:
• Der Stil: Nasenrümpfer machen meistens einen kapitalen Denkfehler: Sie vergleichen DJ Bobo nicht mit Seinesgleichen, sondern vermischen die Genres. Sie sagen zum Beispiel: Shakira ist viel besser als DJ Bobo. Oder, wenns in der Schweiz bleibt, noch schlimmer: Shakra sind viel besser als Bobo. Aber dieser Vergleich funktioniert nicht. Weil Shakira, Shakra und DJ Bobo verschiedene Musik machen. Die erste trällert Allerwelts-Ami-Pop, die zweiten spielen Rock und Bobo Eurobeat. Richtig wäre der Vergleich: DJ Bobo ist viel besser als alle, die je auf einer der 231 Alben der Super-Eurobeat-Reihe zu hören waren. Das würde so stimmen.
• Der Sound: Abgesehen davon muss man neidlos eingestehen, dass DJ Bobo ein extrem gutes Gespür hat dafür, was Hitparadenhörer zurzeit gerne hören. Wer sich ein neues Bobo-Album genau anhört, erkennt in der Ferne der Songs allerlei Melodien, die ähnlich sind wie die, die gerade durchs Radio schwirren. Das ist erstens legitim, weil das für Hitparadenmusik gängige Praxis ist (oder ist irgend jemand ernsthaft der Ansicht, Shakira schreibt ihre Songs mutterseelenalleine in einer einsamen Waldhütte?). Zweitens bewerkstelligen das Bobo und sein Team exzellent.
• Die Show: Bobo macht tolle Shows. Die sind aufwändig, das stimmt. Und pompös sind sie auch. Aber warum soll das negativ sein? Was ist der Unterschied zwischen Bobos Bühnenfiguren und Iron Maidens Eddie? Eben. Und die Tänzer von Bobo sind super. Die wissen, was sie tun.
• Bobos Ehefrau singt Playback auf der Bühne: Ja und? Schon Michael Jackson selig hat schwierige Gesangspassagen auf der Bühne playback eingespielt. Pop dieser Art ist Show, Popmusiker dieser Art sind Illusionisten.
• Echtheit: Absolut «ehrlich», um das Zauberwort der Puristen zu bemühen, ist Bobo, wenn er zu seinen Fans spricht. Da war zum Beispiel dieses Konzert in der Luzerner Allmend, 20’000 Leute, und Bobo sagte nichts anderes als «sali zäme, isch schön sinder alli da», und es ging eine Welle der Rührung durch das Stadion. Bobo sagt nie den üblichen Humbug wie «raise your fucking hands for…» oder so.
• Der Name: Ist scheisse, das sagt sogar Bobo (natürlich in netteren Worten). Aber wer würde seinen Namen freiwillig ändern, wenn er (oder sie) mit diesem Namen Welterfolge feiert?
Fazit: Man muss DJ Bobo oder seine Musik oder seine Frau oder seine Show nicht mögen. Aber ihm gebührt grosser Respekt.
Zurzeit plant DJ Bobo eine neue Tour, bis jetzt 26 Konzerte in Deutschland und der Schweiz in grossen Hallen. Und ein neues Album wird’s dann auch geben. Darauf sind wir gespannt. Und wir freuen und auf die Konzerte. Das soll ihm mal einer nachmachen.
Im Übrigen bin ich der Ansicht, dass Bono Vox verboten werden sollte, was selbstredend auch für das Album gilt, das er und seine unbebrillten Freunde veröffentlicht haben.

Tracks 4 16 (Juli/August 2016)

Christian
About Christian Hug 159 Articles
Seit den Sex Pistols «into music», seit 2001 freier Journalist und Buchautor. Jahrelange Mitarbeit im «Music Scene», «Toaster», TagesAnzeiger - Ernst», «Style» und andere. Kein MP3-Freund.

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