Hugs Wegweiser durch die Populär-Galaxie: #1 – Die erste beste Kolumne

Die erste beste Kolumne

Neulich in der Redaktion einer x-bliebigen Musikzeitschrift.

«Was gibt’s Neues?»

«Hmm…», «Äh…», «Ooohh…», «Also…» (alle leicht verlegen durcheinander)

«Gibt’s denn wirklich nichts Neues?»

«Also, ähm, der Skrillex könn…»

«…wer ist Krill – was?»

«Oder Tyler, The Creator.»

«Und Autechre machen ja jetzt auch schon seit 20 Jahren dasselbe.»

«John Fogerty?»

So geht das jeden Monat aufs Neue. Welche Geschichten sollen in die nächste Ausgabe? Irgendwie sind es dann immer zuwenig. Vielleicht, weil es Autechre tatsächlich schon über 20 Jahre gibt. Oder weil man dem Neuen nicht traut. Oder schlicht müde ist von den immergleichen langweiligen Interviews mit aufgeblasenen Newcomern. Ausser natürlich beim «Rolling Stone»: Da ist man froh, wenn der Bruce Springsteen und der Neil Young mal grad keine Platte machen, weil sie dann wieder den Robert Zimmermann aufs Cover nehmen können. Den lieben sie ja so. Ach, Sie wissen nicht, wer Robert Zimmermann ist? Sehen Sie, schon wieder ein guter Grund für eine Bob-Dylan-Geschichte.
Alle anderen müssen die Lücken füllen. Und sie tun das mit Best-of-Listen. Ratings sagen sie dem auf der Redaktion. Das ist wie bei der Hitparade, eine Aufarbeitung der besten hundert. Oder fünfzig. Oder zehn. Darum kriegen wir mit jeder neuen Ausgabe jedes Magazins und mit jedem Newsletter ein neues Rating.
So wissen wir endlich, welcher der 34.-beste Depeche-Mode-Song ist. Oder welches das 85.-schlechteste Metal-Album-Cover. Oder wer der 17.-beste Blues-Gitarrist der Welt ist. Toll. Das bringt echt meine Welt in Ordnung. Ausser dass in der Liste der 100 wichtigsten Oldschool-Hip-Hop-Platten der achtziger-Jahre «It’s A Compton Thang» von Compton’s Most Wanted fehlt. Also das geht gar nicht, im Fall. Dafür ist Bob Dylan egal in welcher Besten-Liste beim «Rolling Stone» immer auf Platz Eins.
Das Problem ist nur, dass auch die Listen-Ideen nach und nach ausgeschöpft sind und es immer anstrengender wird, mit neuen Listen alte Lücken zu füllen. Lesen wir bald Ratings wie Die 100 schrägsten Alternativ-Country-Lieder von singenden Schlagzeugern zwischen 1940 und 1950 und Die 64 besten Bob-Dylan-Alben («Rolling Stone»)? Und den: Die 1000 besten ersten Alben südkalifornischer Frickler-Bands.
Wir sehen: Es wird ist schwierig. Ich finde, man sollte wieder Mut zur Lücke haben.
Im Übrigen bin ich der Ansicht, dass Bono Vox verboten werden sollte.

TRACKS Magazin 3 13 (Mai/Juni 2013)

Christian
About Christian Hug 143 Articles
Seit den Sex Pistols «into music», seit 2001 freier Journalist und Buchautor. Jahrelange Mitarbeit im «Music Scene», «Toaster», TagesAnzeiger - Ernst», «Style» und andere. Kein MP3-Freund.

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