Der dritte Festivaltag kündigt sich noch anstrengender an als die vorherigen. Nicht nur will die Hitze einfach nicht nachlassen, auch die Eskapaden der letzten Nächte hinterlassen bei vielen Besuchern deutliche Spuren. Doch genau das ist Rock’n’Roll und gehört zu einem Festival einfach dazu.
Pünktlich stehen wir vor der Bühne, um den Auftakt des Tages mit den Schweizern MINDCOLLISION mitzuerleben. Die Band zeigt von der ersten Minute an ihre Bühnenerfahrung und ihr Rapcore kommt beim Publikum im vorderen Bereich sehr gut an. Ein paar Anklänge an Limp Bizkit hier und Rage Against the Machine da sorgen für eine ordentliche Portion Groove und machen das Konzert zu einem gelungenen Auftakt. Wieder ein Beweis, dass es in der Schweiz durchaus hochwertige Bands gibt, die auch auf die Hauptbühne gehören.
Trotz ihres wachsenden Erfolgs der letzten Jahre betreten JINJER überraschend früh am Nachmittag die Bühne. Da die Band am nächsten Tag beim legendären Download Festival in Donington (UK) auftritt, ließ der lange Reiseweg leider keinen besseren Slot zu. Obwohl das Publikum zahlreich erschienen ist, scheint zu dieser Uhrzeit noch kaum jemand wirklich bereit für die teils sperrige Musik der Band zu sein. Viele beobachten eher schläfrig, wie die charismatische Sängerin Tatiana scheinbar mühelos zwischen aggressivstem Growling und jazzigem Klargesang wechselt. Anfangs reagiert sie wenig begeistert auf die verhaltene Stimmung, zeigt sich etwas launisch und diva-mäßig, taut aber im Laufe des Sets auf und sucht vermehrt den Kontakt zu den Fans. An Talent und musikalischem Wucht mangelt es der Band nicht – doch ein früher Nachmittagsslot vor einem größtenteils verkaterten, sonnengeplagten Publikum war sicher nicht der ideale Rahmen für eine unvergessliche Show.
LORD OF THE LOST sind seit Jahren eine feste Größe im deutschen Goth-Metal, doch spätestens seit ihrer Teilnahme am Eurovision Song Contest mit „Blood & Glitter“ und einer großen Europatour im Vorprogramm von Iron Maiden genießen sie wachsende Popularität. Vor einer gut gefüllten Bühne liefern die Hamburger eine unterhaltsame und mitreißende Show ab. Mit ihrer Bühnenroutine und eingängigen Songs reißen sie das Publikum von Anfang an mit und sorgen für ausgelassene Stimmung.
Ich muss zugeben: Vor der Bekanntgabe des 2025er Line-ups hatte ich GRANDSON noch nie gehört. Auf Platte präsentiert der kanadische Künstler eher alternativen Hip-Hop, doch live – unterstützt von einer starken Backing-Band – bekommen die Songs eine deutlich rockigere Note. Parallelen zu Rage Against the Machine sind unverkennbar, nicht zuletzt dank der gesellschaftskritischen Texte. Eine wirklich positive Überraschung, und es wundert kaum, dass der Kanadier einige Shows der reformierten Linkin Park auf ihrer kommenden Europatour begleiten wird. Definitiv ein Act, den man sich merken sollte.
Die DONOTS sind alte Hasen der deutschen Punkrock-Szene und haben bereits mehrfach beim Greenfield Festival gespielt. Mit ungebremster Energie stürmen die fünf Jungs die Bühne und haben das Publikum vom ersten Song an fest im Griff. Erfahrung, Charme und eingängige Songs sorgen für eine ausgelassene Partystimmung. Beim dritten Song lädt Sänger Ingo überraschend alle Fotografen aus dem Fotograben auf die Bühne ein – eine Gelegenheit, die sich natürlich niemand entgehen lässt, was für ein herrliches Chaos zwischen Kameras, Objektiven, Instrumenten und Musikern sorgt.
IN FLAMES aus Schweden sind inzwischen Stammgäste beim Greenfield und ein Synonym für kraftvolle, intensive und überzeugende Konzerte. Sie starten mit dem Trio „Pinball Map“, „The Great Deceiver“ und „Deliver Us“, dass das Publikum sofort begeistert. Begleitet von eindrucksvollen Lichtshows spielt die Band routiniert ein Set mit vielen Songs von den letzten beiden Alben „Foregone“ und „I, the Mask“, aber auch einige Klassiker – ohne allerdings weiter als bis zum „Clayman“-Album zurückzugehen. Persönlich hätte ich mir noch „The Quiet Place“ oder „Crawl Through Knives“ gewünscht, aber das ist Geschmackssache. Ein kleiner Wermutstropfen: Sänger Anders Fridén war deutlich angetrunken und brachte zwischen den Songs teilweise wirre Ansagen. Gesanglich lieferte er trotzdem eine starke Leistung ab.
Zum Abschluss des diesjährigen Greenfield Festivals traten die heiß erwarteten Headliner SLIPKNOT auf, die vor einigen Monaten ein intensives, wenn auch sehr kurzes Konzert in der ausverkauften Hallenstadion gegeben hatten. Leider hatte die Band (oder wohl eher ihr Management) entschieden, keinerlei Fotopässe für die Medien vor Ort auszustellen. Aus diesem Grund haben auch wir darauf verzichtet, ihren Auftritt abschließend zu rezensieren.
So geht mit dem Konzert der Truppe aus Des Moines ein weiteres erfolgreiches Greenfield Festival zu Ende – mit offiziell bestätigten 75.000 Besuchern an drei Tagen. Wir haben viele großartige Konzerte erlebt, interessante neue Bands entdeckt und wieder ein wunderbares Wochenende voller guter Musik und Freunde verbracht.
Die Daten für die nächste Ausgabe stehen bereits fest: 11. bis 13. Juni 2026. Bleibt nur zu hoffen, dass es bald erste Programmansagen geben wird. C-y next year!







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