Greenfield Festival 2025 – Interlaken 13.06.25 – Day 2

Der zweite Festivaltag beim Greenfield beginnt, wie der vorherige geendet hat: strahlender Sonnenschein und drückende Hitze.

Das hilft den deutschen Punks SELBSTBEDIENUNG leider wenig – vor der Bühne ist das Publikum noch sehr überschaubar. Nicht, dass die Band für Massenaufläufe sorgen könnte, doch immerhin geben sie sich Mühe, auch wenn die Bedingungen alles andere als ideal sind.

Mit VERSENGOLD und ihrem Irish/Mittelalter-Folk steigt die Besucherzahl deutlich an. Die Band aus Bremen zeigt große Bühnenroutine und versteht es, das Publikum von Anfang an mitzunehmen. Man merkt den Musikern an, dass sie Spaß haben – und das überträgt sich auch auf die Menge davor.

Mit THE GHOST INSIDE wird es dann deutlich härter. Die Kalifornier bieten druckvollen, wuchtigen Metalcore, der musikalisch absolut überzeugt. Dennoch scheint der Funke nur bei den eingefleischten Fans im Moshpit überzuspringen, während viele andere eher beiläufig zusehen. Vielleicht liegt es an der zurückhaltenden Bühnenpräsenz der Band oder einfach an der frühen Nachmittagszeit.

Ganz anders bei MOTIONLESS IN WHITE aus Pennsylvania: Stilistisch zwar ähnlich (Metalcore mit Industrial-Einflüssen), doch Frontmann Chris “Motionless” reißt das Publikum sofort mit. Optisch erinnern die Jungs mit ihrem auffälligen Make-up an die Marilyn Manson-Ära der 90er. Bassist Justin wirkt phasenweise wie eine Kopie von Twiggy Ramirez, inklusive Posen. Ich hatte die Band noch nie live gesehen und wurde positiv überrascht: kraftvoll, präzise und sehr publikumsnah.

Für einige Verwunderung sorgte schon vor Festivalbeginn der nächste Künstler auf dem Programm: ALLIGATOAH (bürgerlich Lukas Strobel). Bekannt vor allem für sein Rap mit Deutsche Texte, fragten sich viele, was er auf einem Metal-Festival zu suchen habe und wie er wohl ankommen würde. Ich kannte weder seine Musik noch seine Texte, doch offenbar hat er seit einiger Zeit brutalen Metalcore mit Screams in seinen Sound integriert. Um es diplomatisch zu sagen: mein Fall ist es nicht, aber große Teile des Publikums schienen durchaus Gefallen daran zu finden. Ich nutzte die Gelegenheit, frühzeitig zur Nebenbühne zu wechseln, wo die drei mexikanischen Schwestern von THE WARNING auftraten.

Ihr Album „Error“ hat mir sehr gefallen – kraftvoller Power-Rock, getragen von einer starken, eindrucksvollen Stimme. Entsprechend gespannt war ich auf ihren Auftritt. Die drei Villarreal Vélez-Schwestern zeigen Bühnenerfahrung und Souveränität, was nicht verwundert, schließlich begleiteten sie zuletzt Muse auf deren Europastadiontour. Definitiv eine Band, die man sich auch mal im Club in intimerer Atmosphäre anschauen sollte.

Zurück auf der Hauptbühne folgte der sehnlich erwartete Auftritt von HEAVEN SHALL BURN. Noch eine Woche zuvor hatte Sänger Marcus Bischoff beim Rock am Ring aufgrund einer Halsentzündung mitten im Set seine Stimme verloren. Nach zwei abgesagten Shows verkündete die Band überraschend, dass die Sommertour mit Britta Görtz (von den deutschen Hiraes) am Mikrofon fortgesetzt wird. Entsprechend groß war die Neugier – und auch die Erwartungen.

Trotz viele Jahren Bühnenerfahrung hatte Britta die undankbare Aufgabe, vor 25.000 Menschen mit nur wenigen Proben einzuspringen. Anfangs war ihr die Nervosität anzumerken, doch sie meisterte die Situation sehr souverän und professionell. Ein Teleprompter mit den Songtexten half sicher dabei – aber ein komplettes Set in weniger als zwei Tagen zu lernen, ist beachtlich. Respekt! Die Band selbst spielte mit der gewohnten Routine und Wucht, das Publikum tobte, es gab Wall of Deaths, Circle Pits und Crowd-Surfing ohne Ende.

Zum Abschluss des zweiten Festivaltages waren AVENGED SEVENFOLD gebucht – eine Band, die in Europa nicht besonders oft auftritt. In ihrer Heimat USA sind sie absolute Superstars mit Millionen verkaufter Platten, allen voran ihr Platin-Album „Hail to the King“. Hierzulande ist ihr Status jedoch deutlich kleiner.

Die Bühne war schlicht gehalten, wurde aber auf drei Seiten von riesigen LED-Leinwänden flankiert, auf denen während des gesamten Konzerts thematisch passende Videosequenzen liefen. Ich muss gestehen: A7X gehören nicht zu meinen Favoriten, doch sie sind ohne Frage eine professionelle Liveband mit einem charismatischen Frontmann M. Shadows, der es versteht, das Publikum einzubinden. Obwohl ich sie bereits mehrfach gesehen habe, konnte mich ihr Auftritt auch diesmal nicht wirklich begeistern.

Nach einem weiteren langen, schweißtreibenden Festivaltag zog es uns erneut in eines der vielen Zelte, um den Abend entspannt ausklingen zu lassen.

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