Eine alte italienische Lieder aus den Sechzigern sang einst: „Per quest’anno non cambiare, stessa spiaggia, stesso mare!“ („Für dieses Jahr – nichts verändern, derselbe Strand, dasselbe Meer!“). Und so sind wir auch 2025 wieder in Interlaken beim Greenfield Festival.
Ohne die zwei pandemiebedingten Zwangspausen wäre es bereits die 20. Ausgabe des größten Metal-Festivals der Schweiz gewesen.
Man könnte nun diskutieren, dass der Line-up „nicht mehr das ist, was es mal war“ und die ganz großen Headliner seit einigen Jahren fehlen. Man denke nur an frühere Ausgaben mit Acts wie Rammstein, Foo Fighters, Iron Maiden, System of a Down oder den Red Hot Chili Peppers. Doch fest steht: Das Greenfield bleibt ein hochwertiges Festival mit starken Bands und der Möglichkeit, spannende Newcomer zu entdecken – man erinnere sich nur an Sleep Token, die hier vor ein paar Jahre noch auf der Nebenbühne spielten, bevor sie weltweit durchstarteten.
Und immerhin: Slipknot sind immer noch eine Wucht und füllen die Hallen – keine Newcomer, sondern absolute Szenegrößen.
Das zunächst viel zu frische Juniwetter hat einer drückenden Hitzewelle Platz gemacht. Auf dem Festivalgelände ist die Stimmung ausgelassen, aber noch etwas entspannter als in manch anderen Jahren. Die deutschen Punkrocker BETONTOD eröffnen auf der Hauptbühne vor einem Publikum, das trotz der Energie auf der Bühne noch etwas verhalten reagiert.
Deutlich besser besucht wird der Auftritt der Mittelalter-Folk-Metal-Band SUBWAY TO SALLY, die in der Schweiz seit jeher eine treue Fangemeinde hat. Die Formation aus Potsdam sorgt mit ihrer langjährigen Bühnenerfahrung und einer Mischung aus tanzbaren und kraftvollen Songs für ordentlich Stimmung vor der Bühne.
Weiter geht’s auf der Eiger Stage, wo ANNISOKAY auftreten. Über die deutsche Post-Hardcore/Metalcore-Combo hatte ich bereits viel Gutes gehört, sie aber noch nie live gesehen. Ich muss zugeben: Sie waren eine sehr positive Überraschung. Druckvoll, mitreißend und dennoch mit tollen melodischen Passagen. Ich würde sie sehr gerne mal im kleineren Club-Rahmen erleben!
Zurück auf der Jungfrau Stage betreten SPIRITBOX die Bühne. In den letzten Jahren hat sich die kanadische Band um die charismatische Courtney LaPlante einen gewissen Namen gemacht – ihr Sound bewegt sich irgendwo zwischen Metalcore, Post-Core und Djent. Doch auf dem Greenfield will der Funke nicht so recht überspringen. Die Wucht ihrer Platten kommt live nur bedingt zur Geltung und die etwas statische Bühnenpräsenz hilft dabei nicht. Auch Courtney scheint an diesem Abend nicht den Draht zum Publikum zu finden, das zwar interessiert zuschaut, aber wenig euphorisch mitgeht.
Ganz anders STRAY FROM THE PATH auf der Eiger Stage: Frontmann Drew ist trotz glühender Hitze unermüdlich in Bewegung und reißt das Publikum sofort mit. Ihr Mix aus Hardcore-Punk und Rapcore wird vom Publikum gefeiert.
Dann zurück auf die Hauptbühne zu einem seltenen Ereignis: Eine der Ikonen der Punkbewegung der 70er Jahre gibt sich zum erst zweiten Mal in der Schweiz die Ehre. Die SEX PISTOLS hatten bis dato nur ein einziges Mal, im Jahr 1996 bei ihrer ersten Reunion, hier gespielt. Nun könnte man einwenden, dass ohne den charismatischen Sänger Johnny Rotten vieles fehlt – doch Steve Jones, Paul Cook und Glen Matlock sind da, unterstützt von Frank Carter (Rattlesnakes) am Mikrofon. Frank ist kein Johnny Rotten und versucht auch nicht, einer zu sein – dafür punktet er mit Humor und Spielfreude. Die drei verbliebenen originale Mitglieder zeigen zwar sichtbar ihr Alter, und zu sehen wie sie Songs wie „Anarchy in the UK“ spielen wirkt fast rührend. Manche fanden es gar peinlich, aber Nostalgiker freuten sich über Klassiker wie „God Save the Queen“, „Pretty Vacant“ oder „E.M.I.“. Der Band fehlt der «Drive» und die große Masse reagiert allerdings ein bisschen verhaltener als erwartet. Vor der Bühne aber wird gemosht, gesungen und Circle Pits eröffnen sich – und Frank Carter stürzt sich kurzerhand mitsamt Mikro mitten ins Getümmel, um näher zu den Fans zu sein, in Echter Punk-Spirit.
Danach die deutschen POWERWOLF. Über ihr episch-pompöses Power-Metal-Feuerwerk kann man geteilter Meinung sein, doch eines steht fest: Es sind exzellente Musiker mit einer hochprofessionellen Show. Großartige Visuals auf der riesigen LED-Wand, schöne Bühnendeko, spektakuläre Pyroeffekte, große Posen und jede Menge Spielfreude. Kein Wunder, dass sie mittlerweile große Hallen füllen – ihr Platz als Co-Headliner des ersten Abends ist absolut verdient.
Zurück auf die Eiger Stage, wo die Kalifornier THRICE ihre Europatour eröffnen. Vom ersten Ton an strotzt das Quartett aus Irvine vor Energie und liefert einen sauberen, kraftvollen Sound. Ihre langjährige Live-Erfahrung wird sofort deutlich. Das Set ist vor allem von den Alben „The Artist in the Ambulance“ und „To Be Everywhere Is to Be Nowhere“ geprägt und wird vom Publikum begeistert aufgenommen.
Zum Abschluss des Tages betreten ELECTRIC CALLBOY die Jungfrau Stage. Vor drei Jahren hatte ich sie schon einmal hier gesehen – damals war’s ein spaßiger Auftritt, den ich aber nicht so recht ernst nehmen konnte (vermutlich nehmen sie sich selbst auch nicht so ernst). Diesmal als Headliner ist das eine ganz andere Nummer. Die Band besteht aus routinierten Musikern (an den Drums niemand Geringeres als Frank Zummo, Ex-Sum 41!) und liefert eine souveräne Show. Ihr Electronicore ist nicht ganz mein Fall (de gustibus non disputandum est), und über die Distanz aber doch eher Schlager-Party-Feeling als Rockkonzert (ein Begriff, den mein Kollege Daniel treffend als „Ballermann Metal“ bezeichnet hat). Doch das Publikum feiert, tanzt, singt und hat sichtlich Spaß.
Wir verabschieden uns schließlich von der Hauptbühne und lassen nach einem langen Rocktag den Abend bei ein paar wohlverdienten Bieren auf der Partymeile ausklingen.







Leave a Reply
You must be logged in to post a comment.