GÖLÄ Ängu u Dämone I

GÖLÄ
Ängu u Dämone I

Universal Music

 

pc. Vermutlich wird Marco Pfeuti noch immer von vielen belächelt. Der Büezer, der ein bisschen Musik macht und sich mal auf Mundart, mal auf Englisch versucht, mal verkündet, er würde keine Konzerte mehr geben und es dann doch wieder tut. Und natürlich wird all das von der Boulevard-Presse bestens begleitet. Und zwischen diesen vielen Geschichten und Schlagzeilen geht völlig vergessen, dass Gölä – seit seinem Durchbruch 1998 – unbeirrt seinen Weg geht. Und das recht erfolgreich. Nach seinen Ausflügen in die englischsprachige Musik, seinen Aufnahmen mit den Bellamy Brothers, setzt der Thuner nun wieder auf jenes Genre, mit dem er erfolgreich wurde: Berner Mundartrock. Und das keineswegs selbstverständlich. Denn eigentlich plante Gölä ein weiteres englisches Album und hatte dieses eigentlich auch schon parat. Doch dann kam die Trennung von seiner langjährigen Partnerin, Gölä warf die Pläne über Bord. Stattdessen verlor er 15 Kilos und schrieb 37 neue Songs. Von diesen erscheint nun sozusagen das erste Kapitel als „Ängu U Dämone Teil 1“. Der zweite Teil ist ein Monat später geplant. Nun liegen also die ersten zwölf neuen Songs vor.

Zwar mischen schon im Opener „GuetiMusig u es chauts Bier“ hinter den Gitarren auch ein paar Synthesizer-Sounds mit (man muss schliesslich mit der Zeit gehen), bleibt es die relativ schlanke und raue Produktion, wie man sie von den ersten Gölä-Alben kennt. Manche würden auch behaupten, Gölä knüpft an die rockigen Zeiten von Polo Hofer an (z.B. „Drerscht Tag“). Die Songs drehen sich um das Büezerleben, um Niederlagen, nach denen man wieder aufstehen soll und natürlich um die Liebe, jede Menge musikalischer Vergangenheitsbewältigung. Da und dort sind die Nummern etwas schwülstig geraten, vor allem die Balladen. Da wären Sounds eines echten Klaviers vielleicht doch schöner gewesen als solche aus dem Keyboard. Und seit „Gitarren“ à la Top-Gun in waren (wie in „I stah wieder uf“), ist es halt einfach auch schon verdammt lang her. Diese Songs wollen sich vielleicht etwas zu sehr an alte Gölä-Hits anlehnen. Viel besser gelungen sind dagegen jene Nummern, in denen Gölä sich in andere Stilrichtungen bewegt. So ist „Ds Läbe isch e länge Wäg“ ein gelungener Soul-Song. Und „Wenn Du jung bisch“ glänzt mit einem eingängigen akustischen Gitarren-Intro, Mandolinen und Akkordeon. Darüber hinaus gehen hier besonders im Refrain der Text und die Melodie perfekt Hand in Hand (auch zusammen mit den Backingvocals) und machen den Song womöglich zu einem der besten auf diesem Album. Ebenfalls äusserst gelungen ist das beat-lastige „Hesch Du wider öppergfunge“, das ein sattes stakkatoartiges Riff im Wechsel zwischen Gitarre und Klavier präsentiert. Es ist gerade diese Abwechslung, die das Album vor allem in der zweiten Hälfte enorm spannend und abwechslungsreich macht. Der Funk („Weig Di wär“) oder der Country („Oh Yeah“) – das ist alles sehr schön und eingängig umgesetzt. Und eins ist klar: Rocken kann Gölä noch immer, und dafür muss er sich keineswegs selbst kopieren. Das beweist er in „Bösi Buebe, billigi Meitschi“.

Hanns
About Hanns Hanneken 527 Articles
Hanns, der Gründer von TRACKS, ist der CH-Musikszene seit den 80er-Jahren als Produzent, Musiker und Redaktor eng verbunden. Er war jahrelang Chefredaktor des Schweizer Musikmagazins MUSIC SCENE, des deutschen Magazins MUSIK SZENE und arbeitete für u. a. MUSIK EXPRESS, METAL HAMMER.