GINA ÉTÉ Erased By Thought

GINA ÉTÉ
Erased By Thought
Motor Entertainement / Lauter

Der Auftakt «Trauma» des ersten Longplayers von Gina Été hat eine beklemmende Aktualität: «How Do The Terrors You’ve Seen Intrigue Your Dreams? Can You Still Dream Or Are Nightmares All That Seem?» Afghanistan und seine verfolgten Menschen sind nahe, zu nahe. Die Zürcherin entschuldigt sich für ihr / unser Fehlverhalten: «I Am Sorry For What My Country’s Done To You.» Mehr bleibt nicht (leider) angesichts der Ohnmacht, die auch ich empfinde, die Wut, die Hilflosigkeit. Der Trip Hop und auch die Stimme von Été werden intensiver, eindringlicher. Mitgefühl ist zu spüren, aber auch Ohnmacht, Verzweiflung. In «All Or Nothing» beklagt sie die Einsamkeit der Menschen in den Grossstädten, unseren achtlosen Umgang mit der Natur und die Sinnlosigkeit von Grenzen, die man beschützen muss: «Each Country And Its Army. Say We Defend, Say We Must». Wir haben bloss eine Welt. Grenzen sind sinnlos. Angesicht dieser Situation fragt Mann und Frau nach dem Sinn: «Ich schaue weg, ich kann das nicht mehr ertragen. Ich brauche Sinn und Du brauchst mehr davon.», singt sie im wehmütig folkigen «Am Tellerrand». Wohin führt das? Grenzen sind nicht das Ding von Gina Été. Sie ist eine Weltenbürgerin durch und durch. Wie auf ihrer Debüt-EP singt sie in verschiedenen Sprachen (neben Englisch sind das Mundart, Hochdeutsch und Französisch). Am Schluss steht der einfache Wunsch: «I Just Wanna Live.»

Roebi
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