FABULOUS POODLES Mirror Stars – The Complete Pye Recordings

FABULOUS POODLES
Mirror Stars – The Complete Pye Recordings
Cherry Red Records

Die englischen Fabulous Poodles hatten Humor. Mit diesem Namen und ihrer nicht gerade glücklichen Geschichte brauchte es denn auch. Das Quartett um Sänger Tony de Meur könnte ein Buch darüber schreiben, wie man es im Musikbusiness vermasselt. Aber von Anfang an. 1975 ins Leben gerufen, nannte man sich zuerst nur Poodles. Ihr erster Song hiess «Chicago Boxcar», dominiert von einer Ukulele und einer Mandoline (!). Der legendäre DJ John Peel liebte «Chicago Boxcar». Sonst aber leider fast niemand. Ihr selbstbetiteltes Debüt (1977), das einen niedlichen, weissen Puddel mit Haarschleife zierte, eröffnete mit dem Song «The Ending». Der dritte Song hiess «Workshy» und glänzte mit einer Country-Fiddel, was in Zeiten von Punk und New Wave nicht gerade optimal und verkaufsfördernd war. Die Fiddel von Bobby Valentino, der dem Schauspieler Rudolph Valentino nicht unähnlich sah, war ein Markenzeichen der Fabulous Poodles, wie auch die Mandoline, die ebenfalls Valentino bediente. «When The Summer‘s Thru» war eine Schmalznummer im Fünfziger-Style mit Mandoline. Die Poodles setzten diese ungewöhnliche Mischung aus Fünfziger-Pop, Country, Rock and Roll und New Wave mit Leichtigkeit, Witz, Spielfreude und vor allem Talent um. Produziert hatte ihr Debüt übrigens John Entwistle, Bassist der Who. Das zweite Album, das 1978 erschien, nannte die Band «Unsuitable» (ungeeignet). Das traf zumindest auf die Radiotauglichkeit zu. Die Radios wissen halt manchmal nicht, was gut ist. Das hat sich bis heute nicht geändert. Die Eröffnungsnummer «Mirror Star», der bekannteste Poodles-Song, wäre mit etwas mehr Glück ein wirklicher Hit geworden. Auch Songs wie «Topless Gogo» (textlich leider nicht radiotauglich), «Oh Cheryl», «Covent Girl» oder das fantastische «B‘ Movies» hätten das Zeug dazu gehabt. Leider war auch «Unsuitable» so erfolgreich wie ein Glacestand im Winter. Dem letzten Werk «Think Pink» (1979) erging es nicht besser. Trotz lustiger Promo-Ideen, das CD-Cover wurde viermal so gross gedruckt und passte so optimal in die Fenster von Plattenläden und konnte auch gut unter den Arm genommen werden, animierte das Album höchstens die Lachmuskeln. Das Cover, das Fotos von Menschen und Puppen zeigt, die alle eine rosa Brille tragen, ist schrill-schön. Und Songs wie «Bionic Man», «Any Port In The Storm», «(Hollywood) Dragnet», «You Wouldn’t Listen» (wunderbare Fifties-Nummer), das coole beinahe Instrumental «Pink City Twist» sorgen für musikalischen Hochgenuss. Auch auf der Bühne ging es ebenso schrill und bunt zu und her. Zum Equipment gehörten neben anderem übergrosse Rasierklingen, Ketchup-Flaschen, aufblasbare Frauen und Texter John Parsons als Puddel verkleidet. Auch dies wirkte sich nicht immer verkaufsfördernd aus. «The Complete Pye Recordings» vereint zum ersten Mal alle drei Alben in einer Box. Ergänzt wurde das Material mit 28 Bonustracks. Darunter sind u.a. Coverversionen von «Don’t You Lie To Me» (Chuck Berry), «See You Later Alligator» (Bill Halley), «You Really Got Me» (Kinks) und der punkige Anti-Weihnachtssong «Pink Christmas». Think Fabulous Poodles.

Roebi
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