CRIGA ET ZRA Ä Funkä zums i Brand setzä

CRIGA ET ZRA
Ä Funkä zums i Brand setzä
Eigenverlag

Als der Nidwaldner Rapper Criga sein Debutalbum «Erschte Satz is chaltä Wasser» veröffentlichte, war die Reaktion des Publikums eher eine wohlwollende denn eine begeisterte: Doch doch, da sind Ziele erkennbar, aber er muss noch üben. Das war okay so. Kurz nach Erscheinen des Albums gab es einige Wechsel in seiner Band, was dazu führte, dass Criga neue Musiker um sich scharte und seither als Criga et ZRA weitermachte. Criga verliess sein doch eng begrenztes Hip-Hop-Revier und fing an, mit seiner Band eine neue Form von Musik zu suchen: Rap mit Funk, Rap mit Pop, Rap mit… irgendwas. Auch eine gute Idee. So grundsätzlich. Es folgten einige Konzerte, die zeigten, dass die Idee lauter war, aber dass da noch gaaaaaaaaanz viel Üben und Training nötig waren. Nun ist das zweite Chriga- und das erste Criga-et-ZRA-Album da, und es ist, leider leider, Lichtjahre zu früh. Denn die Musiker sind auffallend zurückhaltend, was mühelos auf ihre fehlende Live-Erfahrung zurückzuführen ist. Man kann sich wunderbar vorstellen, wie die Musiker im Studio so sehr damit beschäftigt sind, sich selber beim Spielen auf die Finger zu schauen, damit sie dann ja auch alles richtig spielen, dass sie darob ganz vergessen, sich zu öffnen und die Musik vorwärtszutreiben. Kommt hinzu, dass Criga noch immer eine Rap-Form sucht, die gleichzeitig lässig/entspannt und treibend sein soll, dann aber meistens in einer Trägheit steckenbleibt, die der Trägheit der Musiker entspricht. Vielleicht läuft’s auch umgekehrt. Criga hat Talent, fürwahr, seine Texte sind gut und flüssig, aber die Musik verliert sich in ihrer eigenen Trägheit und Unsicherheit. Schönes Detail am Rande: Criga rappt/singt konsequent im Nidwaldner Dialekt. Das ist toll. Aber alles in allem: Da müssen jetzt Entscheide her. Entweder müssen die Musik und die Raps konsequent nach vorne drücken, oder sie werden superdurchängend loungig. Aber so halbhalb geht nicht. Und vor allem: üben, üben, üben. Und nochmals üben. Und etwa 500 Konzerte geben. «Ä Funkä zums i Brand setzä» setzt leider gar nichts in Brand.

Christian Hug

Christian
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Seit den Sex Pistols «into music», seit 2001 freier Journalist und Buchautor. Jahrelange Mitarbeit im «Music Scene», «Toaster», TagesAnzeiger - Ernst», «Style» und andere. Kein MP3-Freund.

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