COMPLEX Live For The Minute

COMPLEX
Live For The Minute
Grapefruit / Cherry Red Records

Wenn sie auf Originalpressungen von Schallplatten stehen und viel Geld haben, werden sie möglicherweise beim Debüt der englischen Band Complex trotzdem zurückschrecken. Eine Originalpressung der 1971 erschienen LP, 99 Kopien wurden gepresst, kann bis zu 12000 Franken kosten. Es ist ähnlich wie bei Fussballspielern. Natürlich spielen Lionel Messi und Co. guten Fussball, aber müssen sie gleich 30 Millionen oder mehr kosten? Bei teuren Schallplatten kann man sich wenigstens erschwingliche LP-Nachpressungen oder CD-Wiederveröffentlichungen kaufen. Bei Fussballern geht das leider nicht (: Aber zurück zu Complex. Deren Debüt ist eine runde Sache und nicht nur wegen der Form der Schallplatte. Die Band um Songwriter Steve Coe bietet in den 11 Songs ansprechenden lo-fi (Das Presswerk hatte versagt) Psych-Pop mit viel Orgeleinsatz, der leider etwas zu spät kommt. Nicht der Orgeleinsatz!! 1971 war die Zeit von Psych-Pop bereits vorbei. Möglicherweise war dies der Band auch egal!? Viele Melodien der elf sind auf jeden Fall eingängig. Songs wie «Norwegian Butterfly» (Der Anfang mahnt an «For Your Love» von den Yardbirds), «Funny Feeling» oder «Message From The Year 2000» gehen auch heute noch gut ins Ohr. Mit «Josie» ist gar ein beschwingter Pop-Reggae-Song dabei. Das zweite Album «The Way We Feel», ebenfalls 1971 eingespielt, fiel produktionstechnisch besser aus. Die neun Songs zeugen erneut von einem guten Händchen für ansprechende Melodien. Zum Psych-Pop gesellten sich in «We Don’t Exist» noch eine Spur Funkyness, ein verspieltes Instrumental («Moving Moor») und dröge Heavyness («If You Are My Love»). Zur richtigen Zeit wäre sicher mehr drin gelegen. So ging auch «The Way We Feel» ohne nennenswerte Resonanz sang und klanglos unter. Steve Coe stieg danach aus. Der Rest der Band spielte in der Zeit von 1972 bis 1978 noch eine Handvoll Songs und Covers ein. Beispielsweise «By The Time We Get To Phoenix» (Jimmy Webb), «The Witch Queen Of New Orleans» (Redbone) oder «Theme From Shaft» (Isaac Hayes). Unter dem eigenen Material stechen vor allem die Glamrock-Nummern «Teenybopper Joe» und «Down To The City», die Power-Pop-Nummern «Jubilee» und «Who Do You Think I Am» heraus. Die 3-CD-Box kostet übrigens so gegen 23 Franken. Ein Schnäppchen und auch sonst empfehlenswert.

 

Roebi
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