CALIFORNIA BREED California Breed

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CALIFORNIA BREED

California Breed

Frontiers / MV

 

hh. Nach dem für sie frustrierenden Ende von Black Country Communion, war für Glenn Hughes und Jason Bonham erst einmal Ende Fahnenstange. Eine spätere Fortsetzung diese grandiosen Classicrock-Projekts stand nicht nur zur Debatte, zu tief war das Tuch zwischen Joe Bonamassa und dem selbsternannten BCC-Bandchef Hughes zerschnitten. Hughes ursprüngliche Idee, mit einem anderen Gitarristen Black Country Communion weiter zu führen, scheiterte am Veto Bonamassas, der die weitere Benutzung des Bandnamens verbot. BCC-Keyboarder Derek Sherinian packte ebenfalls die Koffer, worauf Hughes und Bonham (der allerdings mit diversen anderen Projekten mehr als gut zu tun hatte) allein dastanden. Da tauchte plötzlich ein bis dato unbekannter 23 Jahre junger Gitarrist namens Andrew Watt auf, der Hughes von John Lennon’s Sohn Julian empfohlen wurde. Der Bassist und Sänger lud Watt zu sich nach Hause ein, und nach ein paar gemeinsamen Sessions rief er komplett begeistert Jason Bonham an, dass BCC nun wieder eine Zukunft hätten. Zwar unter anderen Namen (siehe oben), aber der einmal eingeschlagene Weg konnte nun fortgesetzt werden. Jason zeigte sich von Watt’s Skills gleichermassen begeistert und California Breed war geboren. Dass Hughes sich nun Vergleiche mit BCC gefallen lassen muss, liegt auf der Hand. Zu ähnlich ist der Sound. Und das heisst: Heavy Classicrock mit schwerem Led Zeppelin Einfluss. Zwölf Songs zwischen hell strahlend und verhalten glänzend, dominiert von Glenn Hughes Hammerstimme und Bonham‘s ultra-heavy Drumming, ganz im Geiste seines Vaters. Bis zur ersten Hälfte des Albums gibt es praktisch nur Killersongs, die jedem BCC-Fan wahre Gänsehaut-Momente bescheren. In der zweiten Hälfte sackt das Songwriting-Niveau leicht ab, ohne jedoch wirklich lapidar zu werden. Aber die grossen Momente, die die ersten Songs auszeichnen, werden seltener. Trotzdem bleibt das Level auch hier immer noch so hoch, dass sich viele andere Bands Nägel in die Kniescheiben schlagen würden, um solche Tracks zu schreiben. Neuzugang Andrew Watt erledigt einen soliden, für sein Alter erstaunlich abgeklärten Job. Dass er im Elternhaus mit dem klassischen 70er Jahre Hardrock aufwuchs, ist seinem Spiel deutlich anzuhören. Ausserdem wird ihm Hughes wohl auch die volle Dosis Jimmy Page verordnet haben. So gesehen verwaltet California Breed  das BCC-Erbe ohne Peinlichkeiten und ist ein über weite Strecken würdiger Ersatz. Abstriche sind bei der Produktion zu machen. Produzent Dave Cobb (Rival Sons) hat definitiv nicht die Klasse von BCC-Musical Director Kevin Shirley, das wird praktisch in jedem Ton spürbar. Zu kratzig der Gitarrensound, im Vergleich zu Bonamassa’s warmen und dichten Klang viel zu viel Distortion – mit dem Resultat, dass den aufeinandergetürmten Gitarrenwänden überwiegend die Transparenz fehlt – zuviel Kleister, zuviel Lärm! Hier wäre weniger definitiv mehr gewesen. Fazit: California Breed präsentieren mit ihrem Debüt einen über weite Strecken sehr gelungenen Einstand, der zwar nicht die Klasse (und die Produktion) der ersten beiden BCC-Alben erreicht, jedoch das uninspirierte dritte BCC Album hinsichtlich Spielfreude, Energie und Songwriting klar überragt. Und so gesehen freuen wir uns mächtig, dass es California Breed gibt. Bleibt zu hoffen, dass Hughes und Bonham mit diesem Projekt noch weitere Grosstaten in der Pipeline haben.

Hanns
About Hanns Hanneken 528 Articles
Hanns, der Gründer von TRACKS, ist der CH-Musikszene seit den 80er-Jahren als Produzent, Musiker und Redaktor eng verbunden. Er war jahrelang Chefredaktor des Schweizer Musikmagazins MUSIC SCENE, des deutschen Magazins MUSIK SZENE und arbeitete für u. a. MUSIK EXPRESS, METAL HAMMER.