BAHNHOF MOTTE
Zeit fressen
Noisolution Records / Cargo Records
Wer sich schon immer einmal gefragt hat, wie es musikalisch klingt, wenn Mann oder Frau in einer auswegslosen Situation stecken, soll sich den Auftakt-Song «Zentimeter» von Album «Zeit fressen» anhören. Bahnhof Motte, die hinter dieser musikalischen Notsituation stecken, stammen aus Dresden und kultivieren auf ihrem zweiten Werk einen Zick-Zack-Kurs für unsere hektisch rastlose Welt. Der schrille Titeltrack, der die Melvins und die Fehlfarben zitiert, handelt von der Unmöglichkeit, die Zeit zu fassen: «Ich will Zeit fressen. Damit sie mir endlich gehört.» «Wohin» könnte die Erkenntnis postulieren, dass Geschäftigkeit nicht zu einem Sinn führt. Dass der Song den Bass-Sound der genialen holländischen Post-Punk-Band Mecano zitiert, ist mehr als nur charmant. Die schleppende Synth-Art-Pop-Nummer «Schatten» dreht sich wieder um Sinn / Identitätskrise: «Was? Soll ich sein? Was soll ich sein? Soll ich sein? Was will ich sein? Was bin ich? Wer? Wer bin ich?» Das Art-Synth-punkige «AAAAA» verhandelt wieder das Thema Zeit: «Schenk mir Zeit» Musikalisch wird es hektisch, wild bis chaotisch. «Strafmilch» klingt wie Fehlfarben für Hektische, inklusive Klaus-Lage-Zitat (aus «1000 und 1 Nacht»). Mit Chaos sollen es enden – und tut es auch. In «Wann mich» trifft Dead Kennedys Gitarrensound auf No Wave und opulente Keyboard-Teppiche. Dann mal gute Nacht.

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