ALIEN WEAPONRY @ Klub Komplex – Zurich

Engagierter Ethno Trashmetal

17.7.2019: Die neuseeländische Trashmetalband Alien Weaponry ist in verschiedener Hinsicht aussergewöhnlich. Ihre Musik vereint Elemente aus der Maori-Kultur (Flöte, Conch Muschel und Bullroarer (Schwirrgerät)). Diese Elemente integriert das Trio um Sänger und Gitarrist Lewis De Jong organisch und mit viel Umsicht in ihren Sound. Ihre Texte zeugen von einem Bewusstsein für die Maori-Kultur. Die zweite Single «Raupatu», beispielsweise, thematisiert die Landenteignung durch den neuseeländischen Staat im 19. Jahrhundert. Einige ihrer Songs sind in der Maori-Sprache gesungen. Lewis und sein Bruder Henry, der Schlagzeug spielt, sind maorischer Abstammung. Und dann sind die drei noch keine 20. Henry ist 19-jährig, sein Bruder Lewis wie auch Bassist Ethan Trembath sind erst 17-jährig. Alien Weaponry wurde 2010 von Lewis und Henry gegründet, die damals 8 respektive 10 Jahre alt waren. Ihr Debüt, die EP «The Zego Sessions» veröffentlichte die Band 2014. 2018 erschien ihr Debüt-Longplayer «Tū» (steht für „Tūmatauenga“, dem Māori-Gott des Krieges). 2016 wurde Alien Weaponry vom englischen Metal Hammer Magazin zu einer der zehn besten neuseeländischen Rockband gewählt. Das amerikanische Rockmagazin Revolver doppelte nach und nannte Alien Weaponry „eine der zurzeit aufregendsten neuen Metal-Bands der Welt“.

Diesen Vorschlusslorbeeren wurde die Band am 17. Juli 2019 im Zürcher Komplex 457 in jeder Hinsicht gerecht. Das Trio klingt von Anfang kompakt und energetisch. Der Auftakt «Pc Bro» wird mit dem maorischen Ritual Haka (Spezieller Tanz der neuseeländischen Ureinwohner mit furchteinflößender Mimik und Sprechgesang) eingeführt. Im Text zu «PC Bro» beklagen Alien Weaponry unsere medienverseuchte Welt: «The Media Rules You. Your Life Is A Lie». Starke Worte von noch nicht mal 20-jährigen. Der folgende Song «Holding My Breath» ist bereits der erste Höhepunkt des Abends. Wucht, packende Riffs und textliche Wut reissen die Zuhörer von Anfang mit. Im furiosen «Hypocrite» (dem ältesten Song auf «Tū») beklagen sich Alien Weaponry über die Scheinheiligkeit von Menschen. «You Goddamn Hypocrite. Abusing Your Authority.» Was wahrscheinlich einmal mehr an den neuseeländischen Staat gerichtet ist? Das Trio kanalisiert seine Wut und Auflehnung gegen Ungerechtigkeit in mitreissenden Songs. Im hymnischen «Things That You Know» besingen sie die Schwierigkeit, Bekanntes loszulassen. «Whispers» beginnt mit einem Streitgespräch zwischen der neuseeländischen Journalistin Kim Hill und dem Politiker Don Brash, der die Vorteile der Maori-Kolonisation hervorheben will. Hill entgegnet ihm, dass die Maori eine Gesellschaft wie die unsere sei, die sich ebenso entwickelt habe. Und das wir lernen sollten, zusammenzuleben. Das teilweise in Maori gesungene «Urutaa» beginnt mit einem Keyboardintro. Solche Finessen und natürlich auch das Einbringen von Elementen ihrer Kultur machen Alien Weaponry einzigartig. Der Abend endet mit dem wütenden «Rū Ana Te Whenua», das Te Ahoaho, dem Ur-Ur-Ur-Grossvater von Henry und Lewis gewidmet ist, der 1864 in der Schlacht Pukehinahina kämpfte.

Robert Pally

Photos: Nico Meyer

Roebi
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