JETHRO TULL -Thick As A Brick 2-

JETHRO TULL

Thick As A Brick 2

EMI

 

hug. Hat sich der gute Ian Anderson doch noch überreden lassen, das legendäre Album «Thick As A Brick» aus dem Jahr 1972 fortzusetzen. Einerseits wurden Jethro Tull mit diesem Album zusammen mit Yes, Genesis, Emerson Lake and Palmer etc. zu den Miterfindern des Progressive Rock und nahmen ihn gleichzeitig auf die Schippe. Anderseits parodierten Jethro Tull damals die Idee des Konzeptalbums, weil das Vorgängerwerk «Aqualung» entgegen der Absicht von Ian Anderson oft als solches bezeichnet worden war. «Thick As A Brick» erzählte vom zehnjährigen, strebsamen Gerald Bostock, der seine wenig aufregende, very britische Welt in Gedichten beschreibt, und von der Ungeheuerlichkeit, dass Jethro Tull diese Teenie-Poesie klauen und zu Songs vertonen. Das Album gilt heute als Meilenstein der Musikgeschichte.

 

40 Jahre nach «Thick As A Brick» und 13 Jahre nach dem letzten Jethro-Tull-Album «J-Tull DotCom» sieht Jethro-Tull-Mastermind Ian Anderson seine Intelligenz beleidigt durch das langweilige Mainstream-Radiomusik-Gehopse und also die Zeit gekommen, dieser Tendenz etwas entgegenzusetzen: intelligente, durchdachte, anspruchsvolle Musik, deren Texte richtige Geschichten erzählen. Er bedient sich deshalb erneut der Idee des Konzeptalbums (allerdings ohne Parodie-Anspruch) und der Form des Progressive-Rock (oder besser: Progressive-Pop). Er entwirft verschiedene Szenarien, wie sich der Teenager von einst bis heute hätte entwickeln können angesichts des aktuellen Weltgeschehens. Auch in der Umsetzung der Lieder bleibt Anderson wie immer konsequent: Die Band benützt dasselbe Instrumentarium wie 1972 und fast dieselbe Aufnahmetechnik, die Songs wurden live und direkt im Studio eingespielt. Die fiktive Zeitung auf dem Cover des Originals ersetzt er in der Fortsetzung durch eine ebenso fiktive, ebenso amateurhaft wirkende  Internetseite.

 

«Thick As A Brick 2» ist reinste Jethro-Tull-Essenz: Der Fokus liegt bei den Songs und dem Songwriting, das Weglassen jeglicher technischer Firlefanzen verstärkt diesen Fokus zusätzlich, die Lieder sind so gescheit wie eingänglich, und Ian Andersons Stimme hat nach wie vor etwas Magisches an sich. Wir verneigen uns und bedanken und für diese angenehme Lektion.

 

 

 

Hanns
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Hanns, der Gründer von TRACKS, ist der CH-Musikszene seit den 80er-Jahren als Produzent, Musiker und Redaktor eng verbunden. Er war jahrelang Chefredaktor des Schweizer Musikmagazins MUSIC SCENE, des deutschen Magazins MUSIK SZENE und arbeitete für u. a. MUSIK EXPRESS, METAL HAMMER.