5 Fragen an Me & Reas

Me & Reas haben mit ihrem neuen Album „Bittersweet“ eine Platte geschrieben, die die Frage der zunehmenden Adoleszenz schon auf seinem Cover verkörpert. Wir haben Sänger Andreas Jäger einige Fragen zu seinem neuen Werk gestellt.

Tracks: Euer neues Album hadert immer wieder mit dem Älterwerden. Was sind die Aspekte des Erwachsenwerdens, mit denen du in letzter Zeit am meisten gehadert hast?

Andreas Jäger: Haha, das sind alles ziemliche Klischees. Neulich bin ich beispielsweise – völlig nüchtern – ins Bett und konnte mich beim Aufwachen fast nicht mehr bewegen. Rücken! Wenn ich mir überlege, wo und insbesondere wie wir auf Tour 2018 gepennt haben und es mir damals nichts ausgemacht hat, dann fühl ich eher wie Mitte 60, nicht wie Mitte 30.

Tracks: Wenn man älter wird, dann entwickelt man sich oft auch als Künstler weiter. Was würdest du sagen ist der wichtigste neue Schritt, den ihr als Band mit „Bittersweet“ gegangen seid?

Andreas Jäger: Der wichtigste Schritt war ziemlich sicher, dass wir dieses Mal den Großteil der Songs live eingespielt haben, also tatsächlich alle gemeinsam im Raum standen und gespielt haben. Klar, im Nachgang wurde noch einiges hinzugefügt, insbesondere die Vocals, aber das komplette Fundament haben wir zusammen eingespielt. Das gibt dem Ganzen viel mehr Energie, als hätten wir alles sauber getrennt voneinander aufs Band gehauen. Auch wenn es natürlich wesentlich anstrengender war, als früher. Das war’s aber Wert.

 Tracks: Auf eurer neuen Platte habt ihr mit Shoreline, Matze Rossi und Austin Lucas drei doch sehr unterschiedliche Feature-Gäste am Start. Wie entscheidet ihr euch, mit jemandem eine Kooperation einzugehen?

Andreas Jäger: Wir wollten auf jeden Fall mit möglichst vielen Gästen arbeiten und haben dann für die jeweiligen Songs überlegt, wer aus unserem und v.a. dem Uncle M-Kosmos dazu passen könnte und natürlich auch Bock auf sowas hat. Tatsächlich waren es dann nur ein paar Mails und Sprachnachrichten und die Songs waren im Kasten. Es hat sich also irgendwie alles von alleine gefügt. Zumindest meiner Wahrnehmung nach. Wahrscheinlich war das für unser Label viel stressiger, haha. Hätten wir allerdings früher gewusst, dass es so unkompliziert laufen kann, dann hätte ich sogar noch gerne 2-3 Features mehr auf dem Album gehabt.

Tracks: Gibt es eine/n Künstler*in, die du beim Schreiben von „Bittersweet“ besonders viel gehört hast und deren Einfluss du auf der Platte besonders hörst?

Andreas Jäger: Die Platte ist ja – zumindest physisch und stilistisch – zweigeteilt. Seite A wurde auf jeden Fall von Bands wie The Gaslight Anthem, Modern Baseball und Fall Out Boy inspiriert. Die ruhigere B Seite verorte ich mal bei Benjamin Francis Leftwich, Phoebe Bridgers und den alten Simon & Garfunkel-Platten, die mir mein Vater vermacht hat. Das hat mich schon alles ziemlich abgeholt.

Tracks: Platten schreibt man heutzutage eigentlich fast immer mit der Gewissheit, diese bald auf die Bühne bringen zu können. „Bittersweet“ ist zu einer Zeit entstanden, in der man sich dem nicht sicher sein konnte. Hat das deine Herangehensweise an dieses Album in irgendeiner Weise beeinflusst?

Andreas Jäger: Die meisten Songs sind tatsächlich schon Ende 2019 bzw. Anfang 2020 entstanden. Also, damals waren für Frühjahr und Sommer etliche Termine bestätigt, entsprechend waren die Songs alle für die Bühne gedacht. Deswegen haben wir einfach wie üblich geschrieben und arrangiert. Die zweite Hälfte der Platte ist jedoch ausschließlich während der Pandemie entstanden und auch mit dem Wissen, dass man erstmal nicht spielen kann. Deswegen haben wir uns bei denen mal getraut leise zu werden. Allgemein ruhiger, reduzierter und auch wesentlich melancholischer als sonst. Das hat schon auch sehr gutgetan, weil kein wirklicher Druck da war. Die B-Seite haben wir wegen Corona auch komplett getrennt voneinander aufgenommen. Im Gegensatz zur A-Seite, die wie gesagt gemeinsam im Studio und live eingespielt wurde. Das heißt musikalisch, stilistisch und aufnahmetechnisch zwei getrennte Welten, die aber trotzdem unglaublich gut harmonieren. Jetzt müssen wir nur noch sehen, wie wir diesen Kontrast auf die Bühne bringen. Da neigen wir schon eher zu laut und schnell, haha.

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