TOBI GMÜR Winterthur

gmur

TOBI GMÜR

Winterthur

Eigenvertrieb

 

  1. Nach „Sincerely, T. Gmür“ hat der Luzerner Musiker mit „Winterthur“ jetzt sein zweites Soloalbum veröffentlicht. Spartentechnisch wird es ein bisschen haarig, ihn korrekt einzuordnen. Ja, es ist ein Mundart-Album. Aber das als Genre festzumachen wäre genau so blöd, wie eine Schublade mit dem Schild „Deutsch-Art“ aufzuziehen und sämtliche deutschsprachigen Bands und Solokünstler hineinzupacken. Man möchte ja schliesslich nicht mit jedem gleichsprachlichen Act im selben Topf umgerührt werden. Zu Recht.

Tobi Gmürs „Winterthur“ ist ein Buch voller mundartlicher Geschichten zum Hören. Geschichten über Jugendliebe („Stephanie ufem Riiserad“, siehe auch Video auf Youtube), Friedenschliessen („Woni jung gsii be“) und den besten Kumpel („Kaderschtufe 2 (oder so)“). Die Geschichten sind wunderbar arrangiert und in schlicht-klassische Instrumentierung von Drum-Gitarre-Bass verpackt. David Langhard aka Admiral James T. sorgte für den perfekten Klang und sein Trademarksound der 60ies/70ies steht Gmürs Album nicht nur sehr gut, sondern es verlangt sogar danach. Insofern kann man sich vielleicht grob auf den Terminus „Rock“ einigen, den man in die Richtung von Züri West schieben könnte, und dem man die in den Geschichten vorhandene liebevolle Schrulligkeit Tobi Gmürs hinzufügt. Ganz wichtig ist dabei, dem Thema Rock die Lautstärke zu entziehen (offensichtlich funktioniert das hier bestens!) und die Songs sehr gekonnt zu komponieren. Schleife drum, bitteschön. „Winterthur“ ist ein ganz feines, famoses und filigranes Album, dessen Tricks und Kniffe sich oft erst bei mehrmaligem Hören erschliessen, dann aber blühen. Grosse Empfehlung!

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Hanns, Herausgeber und Chefredaktor, ist der CH-Musikszene seit den 80er-Jahren als Produzent, Musiker und Redaktor eng verbunden. Er war jahrelang Chefredaktor des Schweizer Musikmagazins MUSIC SCENE, des deutschen Magazins MUSIK SZENE und arbeitete für u. a. MUSIK EXPRESS, METAL HAMMER.