PHIL CAMPBELL AND THE BASTARD SONS Phil Campbell and The Bastard Sons

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PHIL CAMPBELL AND THE BASTARD SONS

Phil Campbell and The Bastard Sons

Motörhead Music

 

  1. Es ist nicht ganz einfach, über Phil Campbells neue Band zu schreiben. Wieviel Erwähnung von Motörhead kann ein Artikel ertragen? Ist es überhaupt angebracht, Lemmy oder Motörhead zu erwähnen, wenn Campbells neue Band es doch verdient hat, unvoreingenommen und eigenständig betrachtet zu werden?

Vielleicht ist „No Turning Back“ eine mögliche Antwort darauf. Es handelt sich dabei um Song Nummer 4 auf der jetzt erschienenen EP von Phil Campbell and The Bastard Sons. Er macht musikalisch mehr als deutlich, wie sehr Lemmy zwar in dieser Welt fehlt, mit Campbell aber immer noch ein Stück seiner Musik hiergeblieben ist. Campbells Vergangenheit ist Motörhead und untrennbar mit der Band und Lemmy verknüpft. Die Tatsache, dass Campbells neue Band, in der seine drei Söhne und Sänger Neil Starr mitspielen, ihr Liveprogramm auch mit Motörhead-Songs bestücken, spricht für das Bewahren des Vermächtnisses. Es spricht aber auch dafür, dass Campbell als Komponist eines gewaltigen Teils des Motörhead-Repertoires weiterhin respektiert und geschätzt wird und eigenhändig damit klarmacht, dass er keinen Wert darauf legt, als von seinem Mutterschiff abgekoppeltes Rettungsboot wahrgenommen zu werden. Ausserdem wird auch in Zukunft alles, was Campbell musikalisch unternimmt, irgendwie mehr oder weniger nach Motörhead klingen. Und das ist schön und richtig so.

Die EP mit seinen Bastard Sons klingt mit den anderen vier Songs allerdings wesentlich moderner und auf jeden Fall weniger zynisch und böse. Das liegt mit Sicherheit auch an dem, und das darf man in diesem Fall ja sagen, Generationenunterschied der Mitglieder. Das Alter der vier Youngsters liefert Campbell vermutlich einiges an neuer Inspiration und bringt frischen Wind in sein Songwriting. Es ist immer noch lupenreiner Rock’n’Roll, dem man aber eine Frischzellenkur verpasst hat und durch Starrs Gesangsstil eine ganz eigene Note bekommt (Hey, mehrstimmige Vocallines und Effekte auf der Stimme!). Phil Campbell and The Bastard Sons schaffen das schon ganz alleine, sich einen eigenen Namen zu machen. Dafür braucht es keinen einzigen Schreiber.

Wahrscheinlich ist es Phil Campbell vollkommen egal, was und wie über ihn berichtet wird. Das hat er wahrscheinlich nicht nur von Lemmy gelernt, sondern er ist bleibt eben der walisische Gitarrist, der einfach nur Musik machen will und dem sämtlicher Firlefanz zu anstrengend ist. Einen Jacky Cola auf dich, Phil.

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Hanns, Herausgeber und Chefredaktor, ist der CH-Musikszene seit den 80er-Jahren als Produzent, Musiker und Redaktor eng verbunden. Er war jahrelang Chefredaktor des Schweizer Musikmagazins MUSIC SCENE, des deutschen Magazins MUSIK SZENE und arbeitete für u. a. MUSIK EXPRESS, METAL HAMMER.