PAUL TRYNKA Sympathy For The Devil – Die Geburt der Rolling Stones und der Tod von Brian Jones

Brian Jones (of 'The Rolling Stones') in January 1967.; (Photo by Monitor Picture Library/Photoshot/Getty Images)

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PAUL TRYNKA Sympathy For The Devil

Die Geburt der Rolling Stones und der Tod von Brian Jones

Hannibal Verlag

 

  1. Wenn heute von den Rolling Stones die Rede ist, verbindet man damit in erster Linie Mick Jagger und Keith Richards. Erst danach kommt Charlie Watts, gefolgt von Ronnie Wood – von Brian Jones spricht dagegen niemand mehr. Dabei war es der blonde Multiinstrumentalist, der die Stones gründete, den Grundstein für deren bis heute anhaltende mega-erfolgreiche Karriere legte, das Bad-Boy-Image der Stones und deren Sound prägte, Jagger und Richards ihr musikalisches Handwerk lehrte und dem rockigen Rhythm&Blues zum weltweiten Durchbruch verhalf. Zugleich war er ein begnadeter Musiker mit grossen Visionen, der das, was man erst viel später unter „World Music“ verstand, bereits in den 60ern vorwegnahm. Gedankt hat ihm das niemand, am wenigsten seine Stones-Kollegen Jagger und Richards, vor denen ihn zu Beginn sein Mentor Alexis Korner gewarnt hatte: „Nimm nur einen von den beiden in deine Band, sonst werden sie dich kaltstellen“. Und so geschah es. Aber Jagger und Richards für das Ausbooten des Stones-Gründers allein die Schuld in die Schuhe zu schieben, trifft trotz grosser Berechtigung aber nicht wirklich den Kern des Problems. Brian Jones selbst war für sich und viele seiner kollegialen Zeitgenossen das grösste Problem. Der exzentrische Stone hatte zwar neben seiner riesigen Musikalität durchaus grosse positive Charakterzüge, aber die dunkle Seite seiner Psyche machten den Kollegen je länger je mehr die Zusammenarbeit mit ihm zu einer wahren Tour de Force. Jones galt als dominant, egoistisch, narzistisch, nervend und in hohem Mass unzuverlässig und als er sich in immer höherem Mass Drogen und Alkohol einverleibte, degradierte er sich selbst zu einem ungeliebten, depressiven und nicht mehr gebrauchten Anhängsel, dem schlussendlich auch sein grösstes Kapital, die aussergewöhnliche Musikalität, verloren ging. Sein früher Tod 1969 (Jones ertrank in seinem eigenen Swimming Pool) sorgte für wildeste Spekulationen, die Gerüchte, dass Jones ermordet wurde, halten sich bis heute – entbehren aber (spätestens nach der Lektüre dieses Buchs)wohl jeder Grundlage.

Paul Trynka, der Autos dieser akribisch recherchierten und sehr seriösen Biografie, die sich unter Verzicht auf boulevardesken Sensationsjournalismus fesselnd und spannend liest, hat sich bereits eine Namen als Autor von hochgelobten Biografien über David Bowie und Iggy Pop gemacht und sein Buch „Portrait Of The Blues“, eine Sammlung von Interviews mit über 60 Bluesmusikern, gilt als Meilenstein. Zudem ist er Herausgeber des „Mojo“ Magazins und einer der Gründer von „The Guitar Magazine“.

Mit „Sympathy For The Devil“ hat Trynka ein weiteres Meisterwerk erschaffen.

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Hanns, Herausgeber und Chefredaktor, ist der CH-Musikszene seit den 80er-Jahren als Produzent, Musiker und Redaktor eng verbunden. Er war jahrelang Chefredaktor des Schweizer Musikmagazins MUSIC SCENE, des deutschen Magazins MUSIK SZENE und arbeitete für u. a. MUSIK EXPRESS, METAL HAMMER.