GLENN HUGHES Resonate

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GLENN HUGHES

Resonate

Frontiers Rec./MV

 

  1. Wo bei anderen Kollegen ähnlichen Alters stimmlich oft nur noch das plombenziehende Krächzen eines rostigen Gartentores übrig ist, bleibt Hughes unangefochten der Bartli mit dem Most. Wo er den allerdings lagert, bzw. immer noch herholt, bleibt wohl eines der letzten ungelösten Rätsel der Menschheit. Das kann dem Hörer aber letztlich auch egal sein, denn so lange Mr. Hughes weiterhin auf hohem Level abliefert, ist alles im Lot.

Das trifft insbesondere auf sein neues Album „Resonate“ zu. Nachdem seine Supergroup Black Country Communion 2013 erst das Ende und kürzlich dann doch ein neues Album für 2017 verkündete, war musikalisch ausser einer ganz passablen Veröffentlichung mit California Breed nicht viel Neues des Sängers zu hören. „Resonate“ zieht dafür aber wieder alle Register und ist der Beweis für die These „Gut’ Ding will Weile haben“.

Das Album beginnt mit „Heavy“, einer Nummer, die nicht nur dank Gastdrummer Chad Smith (Red Hot Chili Peppers) direkt ins Tanzbein swingt und legt mit „My Town“ einen klassischen Stampfer mit cleveren Arrangement-Kunstgriffen in der Bridge nach.

„Flow“ ist eine überfette, langsame Dampfwalze, deren Riff fast schon Black Sabbath-Qualität hat, und in der Mitte mit einem filigranen Led Zeppelin-Einschub einen unerwarteten Kontrapunkt setzt. Ähnlich schwer, dafür positiver melodiert, ist mit schicker Hammondorgel im Hintergrund Nachfolger „Let It Shine“. Einen bedeutenderen Part spielt die Hammond in „Steady“, das unter anderem mit einem transparent-luftigen Refrain und bombastischem Solopart Punkte sammelt. Ein düsteres, treibendes Thema (erinnert stilistisch leicht an Doug Pinnicks Bass, wer dessen Band King’s X kennt) schiebt die Wand namens „God Of Money“ vor sich her. „How Long“ flacht durch seine Länge ganz leise etwas ab (wenn davon auf diesem Level überhaupt die Rede sein kann), bäumt sich aber mit einem wahnsinnigen Hammondsolo wieder auf und mit „When I Fall“ ist eine samtige Schunkelnummer an Bord, in der Hughes’ Gesang die Hauptrolle übernimmt. „Landmines“ lebt von der funkigen Note, die vor allem die Gitarre anschlägt und „Stumble And Go“ erinnert entfernt nach „Rockin’ In The Free World“ von Neil Young. „Resonate“ wird von „Long Time Gone“ abgeschlossen und auch hier wirkt, wie beim Opener, Drummer Chad Smith mit.

Ja, was soll man da noch weiter über den grünen Klee jubeln. Von möglichen zehn Punkten gibt es für „Resonate“ elf. Classic/Heavy/Hard Rock Album des Jahres vom immer noch besten Rocksänger, den es gibt.

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Hanns, Herausgeber und Chefredaktor, ist der CH-Musikszene seit den 80er-Jahren als Produzent, Musiker und Redaktor eng verbunden. Er war jahrelang Chefredaktor des Schweizer Musikmagazins MUSIC SCENE, des deutschen Magazins MUSIK SZENE und arbeitete für u. a. MUSIK EXPRESS, METAL HAMMER.