BLACKBERRY SMOKE Like An Arrow

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BLACKBERRY SMOKE

Like An Arrow

Earache/Nonstop

 

  1. Nur ein Jahr nach „Holding All The Roses“ schiebt das Quintett aus Atlanta/Georgia das nächste Brikett in den Ofen. Die Jungs sind wahre Workaholics, permanent auf Tour und in den raren Auszeiten geht es offenbar direkt ins Studio. Dass bei derartig massivem Arbeitspensum die Gefahr besteht, dass die Batterien ausbrennen, liegt auf der Hand. Ganz soweit ist es bei den Blackberries noch nicht, aber die Warnglocken sind unüberhörbar. „Like An Arrow“ hat zweifellos die bekannten und beliebten Qualitäten, die die Band so erfolgreich als Erneuerer des Southern Rocks machten und bietet einmal mehr wieder eine Reihe erstklassiger Songs im bekannten Blackberry-Dreieck von Southernrock, Blues und Country. Die Band spielt/klingt im Vergleich zum Album-Vorgänger „Holding All The Roses“ weniger hardrockig und besinnt sich wieder auf ihre Wurzeln. Entspannt, laid-back und groovig mit Ecken, Kanten und dem nötigen Dreck unter den Fingernägeln – also alles wie gewohnt, sollte man meinen. Stimmt generell, auch wenn auf dem neuen Werk die Country-Einflüsse grösser sind als auch schon und die Band hinsichtlich des harten Rockgehalts früherer Werke etwas die Handbremse angezogen hat. Auffällig ist an „Like An Arrow“, dass über das ganze Album gesehen, die Qualität im Songwriting etwas nachgelassen hat. Zwar startet das Album mit den ersten drei, vier Songs fulminant und in allerbester Blackberry-Tradition, aber spätestens ab Mitte der Platte lässt die hohe Qualität nach, aus den „Southernrock-Göttern“ werden „Normalsterbliche“, die ehemals zündenden Ideen und das Feuerwerk an herausragenden, genialen Songs, wie beispielsweise an dem bislang unerreichten „Jahrhundert-Album“ „The Whippoorwill“ (2012) stellen sich nicht mehr in gleicher Klasse ein. Das ist allerdings Kritik auf hohem Niveau, denn Blackberry Smoke liefern selbst in schwächeren Momenten immer noch Qualitäten, für die die meisten ihrer Mitbewerber auf Knien durch Nashville robben würden. Aber eben, Bandchef Charlie Starr und seine Kumpel werden sich immer an ihrem grandiosen „The Whippoorwill“-Album messen lassen müssen. Das scheint massiv schwer wenn nicht unmöglich zu sein, wie auch schon das letzte „…Roses“-Album bewies. Unterm Strich bleibt aber trotzdem, dass „Like An Arrow“ generell ein Klasse-Album ist, mit allem, was man an dieser Band liebt, vor allem im Vergleich zu praktisch allem, was in diesem musikalischen Genre auf dem Markt ist. Weil Blackberry Smoke ja überhaupt keine schlechten oder langweiligen Platten machen können, wird „Like An Arrow“ die Fans definitiv glücklich machen. Aber um zur herausragenden Klasse von „The Whippoorwill“ zurückzufinden, dafür sollten sich die Arbeitstiere doch vielleicht einmal eine längere Pause gönnen.
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Hanns, Herausgeber und Chefredaktor, ist der CH-Musikszene seit den 80er-Jahren als Produzent, Musiker und Redaktor eng verbunden. Er war jahrelang Chefredaktor des Schweizer Musikmagazins MUSIC SCENE, des deutschen Magazins MUSIK SZENE und arbeitete für u. a. MUSIK EXPRESS, METAL HAMMER.